München Sekte reißt Tempel ab

Abriss nach elf Jahren: "Tempel des Höchsten Gottes" Foto: az

MÜNCHEN - Der Esoteriker Thorwald Dethlefsen lässt seine „Kawwana-Kirche“ am Gärtnerplatz im Stich: Weil seine Sekte eine höhere Bewusstseinsstufe erlangt habe, brauche sie den Tempel nicht mehr. Nur weiß keiner, was jetzt da hin soll.

Das goldene Kuppeldach hat bereits ein riesiges Loch und die Abrissbirne schwingt unerbittlich weiter: Erst 1998 ließ der Esoterik-Autor Thorwald Dethlefsen am Gärtnerplatz seinen „Tempel des Höchsten Gottes“ errichten – jetzt wird er wieder abgerissen. Warum das Gebäude weichen muss, weiß niemand. Unklar ist auch, was aus dem Grundstück werden soll.

Thorwald Dethlefsen sorgte in der Vergangenheit als Esoterik-Autor und Reinkarnationstherapeut für einiges Aufsehen. „Er galt als Münchner Esoterik-Guru“, sagt Matthias Pöhlmann, Sektenbeauftragter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

1996 meldete Dethlefsen seine „Kawwana – Kirche des Neuen Aeons“ beim Münchner Amtsgericht an, bald darauf begann der Bau des Tempels. Außerdem führte Dethlefsen als „Vicarius“ mehrere Großveranstaltungen in München durch, zu denen jeweils mehrere hundert Menschen erschienen. Seine Glaubensansprüche: „Kawwana ist vom Höchsten Gott eingesetzt. Kawwana ist die einzige Kirche. Ziel der Arbeit ist die Erlösung der Welt, aller Menschen. Die Welt soll aus ihrer bisherigen Seinsform befreit werden.“ Rund 1000 Anhänger sollen Dethlefsens Kirche im Rahmen eines Taufrituals damals beigetreten sein.

2003 erklärte der Gründer plötzlich, seine Kawwana-Kirche sei „in die Welt von Briah“ erhoben worden und legte sämtliche Titel ab.

Im Anschluss wurde es ruhig um den Guru. Er verschickte ein paar Info-Broschüren. Hin und wieder habe er noch Vorträge gehalten, sagt Matthias Pöhlmann. Der Experte fragt sich, ob Dethlefsen hinter den Kulissen überhaupt noch etwas zu sagen hat.

Bei der Stadt liegt weder ein Bauantrag für das Grundstück am Gärtnerplatz vor, noch gibt es Hinweise darauf, dass dort etwas geplant sein könnte. Auch im Internet ist nichts Genaues zu erfahren. Die Seite www.kawwana.de befindet sich seit geraumer Zeit „under construction“.

Kawwana im Nirwana?

Willi Bock

 

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