München Schwabing sieht grün: Ist dieses Dach zumutbar?

In einer Woche wird die neue Haltestelle an der Münchner Freiheit eröffnet. Die Anwohner nennen die Dachkonstruktion schon jetzt „Golfplatz“ oder „Schleimmasse“. Foto: Petra Schramek

MÜNCHEN - Das neue Dach an der Münchner Freiheit sorgt für Diskussionen. Die grüne Farbe strahlt so stark ab, dass das Licht in den Büroräumen verfälscht wird – eine Zahnärztin kann wegen des Schimmers kaum noch arbeiten.

Für den Weißabgleich der Zähne muss Karen Meißner ihre Patienten in den hinteren Raum bitten. „Seitdem das grüne Dach vor meinem Fenster prangt, kann ich nicht mehr normal arbeiten“, sagt die Münchner Zahnärztin. Das giftgrüne Dach über der künftigen Trambahn-Haltestelle an der Münchner Freiheit strahlt so stark in Meißners Räume, dass die Zahnfarben verfälscht werden. „Das ist geschäftsschädigend“, sagt Meißner. Immerhin liegen drei ihrer Behandlungsräume direkt an der Leopoldstraße. In allen kann die Zahnärztin wegen des Aquarium-Lichts nur eingeschränkt arbeiten.

In einer Woche soll die neue Tram-Haltestelle unter den 18 Stützen eröffnet werden. Vom Erdgeschoss aus strahlt das Grün zaghaft. Nur von oben sieht es aus wie eine grüne Wiese. „Jeder Golfspieler würde sich über diesen Anblick freuen“, sagt Jens Herold, dessen Frauenarztpraxis im zweiten Stock eines Altbaus an der Münchner Freiheit liegt. „Ich aber finde, es sieht furchtbar aus“, sagt der Mediziner. „Das hier ist eine alte Straße mit denkmalgeschützten Häusern. Da passt so etwas Modernes nicht her.“

Über 20 Millionen Euro hat die Sanierung des U-Bahnhofs samt Tram-Haltestelle gekostet. Diskussionen gab es schon in den vergangenen Monaten: Ursprünglich sollte das Dach aus Kunststoff bestehen und durchsichtig sein. Doch auf Grund der Statik und des Brandschutzes entschieden sich die Stadtwerke München dafür, Stahl zu verwenden.

Satte 400 Tonnen wiegt das Dach, das das Aachener Architektenbüro „Ox2“ entworfen hat. Seit vergangenem Wochenende wurde es Stück für Stück enthüllt. Seitdem machen einige Anwohner mobil: Ärzte, Büroangestellte, Farbberater – all jene, die von ihrem Stockwerk auf das Dach blicken. Sie fühlen sich von dem grünen Licht in ihren Räumen gestört, können durch die Farbschattierungen ihren Job nicht mehr ohne Probleme ausüben. „Ich muss die Jalousien schließen, damit ich das aushalte“, sagt etwa Zahnärztin Meißner. Schlimm sei das Licht vor allem bei viel Sonnenschein. „Da ist es eine Zumutung, weil die Farbe aggressiv macht. Ich bin abends völlig fertig, nur wegen diesem Anstrich.“

Bruni Seidenschwang arbeitet gegenüber von Meißners Praxis. „Das Dach gefällt mir überhaupt nicht“, sagt die Verwaltungsangestellte. Auch ihr Chef Olaf Ertel findet es „einfach nur hässlich“. Seidenschwang: „Erst dachte ich, über das Grün kommt noch etwas, aber so sieht es wie eine glibberige Schleimmasse aus. Eine andere Farbe wäre angenehmer.“

Meißner hat inzwischen gehandelt und einen Brief an OB Christian Ude verfasst. Jetzt sucht sie weitere Anwohner, die sie im Kampf gegen das grüne Dach unterstützen. „Selbst wenn Schnee drauf fällt, sieht’s nicht besser aus.“

Anne Kathrin Koophamel

 

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