München Prügel-Bub aus Milbertshofen: Das sagt die Mutter

Der Tatort in Milbertshofen Foto: Daniel von Loeper

MÜNCHEN - Gemeinsam mit einem Freund soll er eine 83-Jährige in Milbertshofen misshandelt und verletzt haben. Jetzt berichtet die Mutter des 13-Jährigen: wie ihr Sohn vom Vater missbraucht wurde, wie er vom Opfer zum Täter werden konnte.

 

Immer wieder betont sie, dass ihr Sohn in der Vergangenheit zwar oft rumgepöbelt hat, aber nie gewalttätig wurde. Bis zum vergangenen Montag: Da soll ihr 13-jähriger Bub zusammen mit einem gleichaltrigen Spezl eine Rentnerin (83) in Milbertshofen schwer misshandelt und verletzt haben. Die Polizei habe ein Handy-Video von den Quälereien, erklärte die 46-jährige alleinerziehende Mutter der „Bild am Sonntag“. Als sie die Aufnahmen sehen wollte, hätten ihr die Ermittler gesagt: „Das wollen wir Ihnen nicht zeigen - da würden Sie aus allen Wolken fallen.“

Die Buben sollen die 83-Jährige ehemalige Geigerin gezwungen haben, einen halben Liter Jägermeister zu trinken. Zudem wurde der an Osteoporose leidenden Frau angeblich Rasierschaum in den Mund gesprüht. Schlimmer noch: Die Buben sollen der Frau Maggi in die Augen gespritzt haben und urinierten angeblich auf die am Boden Liegende. Das Opfer erlitt eine Hornhaut-Erosion und eine Bindehautentzündung. Bleibende Schäden werden von der Polizei nicht ausgeschlossen.

„Beide Handys werden derzeit von uns ausgewertet.“ Mehr wollte Polizei-Sprecherin Claudia Haas gestern auf AZ-Anfrage nicht zu dem Video sagen.

Die Mutter betont gegenüber der Sonntags-Zeitung, dass ihr Sohn zwar „geklaut“ habe, aber kein gewalttätiger Typ sei. Er habe ihr berichtet, dass er nicht getreten habe. Doch für die Polizei gilt der Milbertshofer Bub als Haupttäter, sein Spezl aus dem Kreis München als Mitläufer. Der Milbertshofer wurde in die Psychiatrie eingewiesen.

Dort gehe es ihm nicht gut, berichtet seine Mutter. Sie habe ihm seine Tigermama und ihr Tigerkind gebracht. „Ohne die kann er nicht richtig einschlafen.“ Als er von den Verletzungen der alten Frau erfahren habe, „wollte er sofort zu ihr ins Krankenhaus und sich entschuldigen“.

Der Bub war früh verhaltensauffällig. Schon als er fünf Jahre alt war, wusste seine Mutter offenbar nicht mehr weiter. Sie verständigte das Jugendamt, weil er sie immer häufiger beschimpfte. „Da habe ich ihn dann auch geschlagen, was mir heute schrecklich leid tut.“

In der Therapie sei dann herausgekommen, dass der Bub mit fünf Jahren vom Vater missbraucht wurde. „Seitdem durfte ihn sein Vater nie wieder sehen“, berichtet sie. Auch dieser angebliche Missbrauch wird von der Polizei weder bestätigt noch dementiert.

Doch auch die Helfer vom Amt konnten den weiteren Abstieg des Kindes nicht verhindern. Der Bub fiel in der Grundschule und später unter anderem durch Diebstähle, Rauchen und Trinken auf.

Er galt sogar als hochbegabt für Natur und Technik, verweigerte im Gymnasium aber die Mitarbeit und musste wieder gehen. Inzwischen geht er in die 7. Klasse einer Erziehungsschule. Trotz eines IQ von 119 habe er dort aber nur einen Notendurchschnitt von 4.

Das Verhältnis zur Rentnerin begann vor neun Monaten, berichtet die Mutter. Ihr Sohn habe die Frau gefragt, ob er ihr die Einkäufe hochtragen solle, bekam Geld und sie rief immer öfter an. „Ich habe ihm dann vor knapp drei Monaten verboten, sie weiterhin zu besuchen“, erklärt sie der „BamS“. Doch die Frau habe weiter angerufen.

Einen Tag vor der Tat habe sie ihn mit einem neuen Computer erwischt. Den habe er von seinem Weihnachtsgeld und dem Geld, das er von der Rentnerin bekommen hatte, selbst gekauft. Doch seine Mutter verbot ihm das Gerät. Er soll den Computer dann zertrümmert haben. War dies der Auslöser für die Tat? jot

 

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