München Post-Raub in Unterschleißheim: 170 000 Euro Beute

Die Angeklagten vor Gericht Foto: Torsten Huber

MÜNCHEN - Es war alles perfekt vorbereitet: Die Putzfrau lässt die Täter nach Ladenschluss durch die Hintertür in den Schalterraum.Mit der Beute fahren die Täter direkt in die Arme der Polizei – jetzt steht die Bande vor Gericht.

 

Ihr Überfall ist bis ins Detail geplant: Sie organisieren Postjacken, um nicht aufzufallen, besorgen Klebebänder für Fesselungen, eine Soft-Air-Pistole, ein Messer, klauen Pkw-Kennzeichen für das Fluchtauto und leihen sich noch ein zweites Auto, um in sicherer Entfernung den Wagen zu wechseln.

Aber die beiden Bankräuber kommen nicht weit mit rund 170000 Euro Beute. Kaum brausen sie mit quietschenden Reifen vom Parkplatz der Postbank in Unterschleißheim, ist ihr Renault Kangoo von der Polizei umstellt – Festnahme. Jetzt stehen sie vor dem Landgericht München I.

Auf der Anklagebank: Die Bankräuber Sasa P. (34) und Miodrag V. (36), ihr Komplize Vladan J. (41) und die Putzfrau Radmila S. (39). Der Komplize hatte ihnen ein Messer und seinen A-Klasse Mercedes als Zweit-Fluchtwagen geliehen.

Die Angeklagte entschuldigten sich öffentlich bei der nicht anwesenden Bankangestellten Sonja L. (49, Name geändert): „Es tut uns leid.“ Sonja L. ist seit der Tat psychisch erkrankt, in Therapie und kann noch nicht arbeiten.

30. Januar 2010, 12.15 Uhr: Sasa P. und Miodrag V. schrauben die gestohlenen Kennzeichen an ihren Renault, fahren Richtung Postbank, parken kurz davor in einer Seitenstraße. Es ist Samstag. Die Bank schließt bereits um 12.30 Uhr. Sie tragen ihre gelbblauen Postjacken, damit sie beim Observieren nicht auffallen. Gegen 13.15 Uhr verlassen der Filialleiter und eine Mitarbeiterin die Bank. Die Angestellte Sonja L. und die Putzfrau sind noch im Gebäude.

Plötzlich öffnet sich die Zustellertür am Rückgebäude der Bank. Die Putzfrau stellt einen Gegenstand dazwischen, damit die Tür nicht zufällt. Die Räuber holen den Renault, fahren auf den Parkplatz im Hinterhof, stürmen die Bank: „Geld her!“. Sie schlagen Sonja L., beschimpfen sie als „Schlampe“, als sie ihnen „nur“ 5500 Euro gibt. Aus Angst öffnet sie den Tresor. Sonja L. wird gefesselt. Auch die Putzfrau wird fixiert. Es sollte aussehen, als ob sie vom Überfall nichts wusste. Als die Räuber flüchten, ist der Alarm längst ausgelöst.

Motiv: Geldsorgen. „Miodrag V. konnte nicht mehr seine Miete bezahlen“, sagte Verteidiger Sewarion Kirkitadse, der mit seinen Kollegen Joachim Schwarzenau, Andreas Fuchs, Hermann Borchert und Sascha Prosotowitz mit dem Gericht dealte. Bei einem Geständnis sollen die Räuber sechs Jahre und neun Monate, der Autoverleiher drei Jahre, die Putzfrau vier Jahre und vier Monate in Haft. Der Prozess dauert an. th

 

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