München Pfuideifi! So schlimm steht es um Münchens Toiletten

Beißender Geruch und keine Seife weit und breit: die Urinale auf der Giesinger Toilette. Foto: Gregor Feindt

Warnung: Wer gerade frühstückt, sollte das hier nicht lesen. Es geht um die unappetitlichen Zustände auf den WCs, die die Stadt betreibt. Ein Abort-Report.

 

MÜNCHEN Wer muss, der soll können. 72 öffentliche Bedürfnisanstalten stehen dafür in München zur Verfügung, die meisten davon im U-Bahn-Bereich. Vor allem ältere Menschen, Familien mit Kindern und Touristen suchen diese WCs auf. Die AZ wollte wissen, was sie dort vorfinden und hat acht Toiletten unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse: ein Griff ins Klo.

SENDLINGER TOR

Ziemlich versteckt liegt diese Lokus-Location in einem Bau abseits der U-Bahn-Station. Wer sie nicht findet, kann dem Urin-Geruch folgen, wird sich aber hinterher wünschen, nicht fündig geworden zu sein. Denn hinter der Tür bietet sich ein abstoßender Anblick: Der Boden ist übersät von Bierflaschen, Zigarettenkippen, alten Zeitungen und benutztem Toilettenpapier. Auch an Luxusgütern wie Spiegel, Seife oder Tüchern wurde gespart. Besonders Frauen sollten den abseits und kaum einsehbar gelegenen Ort ab den Abendstunden meiden.

ODEONSPLATZ

Auch diese öffentliche Toilette ist nicht leicht zu finden, eine schmale Treppe führt zu ihr hinab. Schon der Eingang wirkt mit Schmierereien nicht besonders einladend. Dahinter: eine Parallelwelt. Beim AZ-Test am Mittwoch um 18 Uhr halten sich sieben Personen dort auf, die erkennbar wegen eines anderen Bedürfnisses hier sind. Jeder nach seiner Fasson. Aber rücksichtsvoll ist das nicht gerade, liebe Herren. Schleierhaft bleibt auch, wie man bei beißendem Gestank an Sex denken kann.

SCHEIDPLATZ

Das Waschbecken ist voller Haare und blutverschmiert. Der üble Geruch ist so stark, dass man sich fast übergeben muss. Ein anderer Mensch hat es bereits getan: In einer Ecke liegt Erbrochenes. Die Toiletten sind verstopft, es gibt keine Seife, keinen Spiegel und keine Papiertücher.

THERESIENWIESE

Offenbar hat sich jemand gegen die Tür erleichtert, der Boden klebt und ist mit Klopapier bedeckt. Seife und Co: wie immer nicht vorhanden. Dafür liegen mehrere blutige Pflaster am Waschbecken.

GIESINGER BAHNHOF

Menschen mit einem funktionierenden Geruchssinn sind hier fehl am Platz. Im Waschbecken liegen Flaschen. Die Fliesen an den Wänden sind gesprungen, die Toiletten mit Kot beschmiert. Seife, eh klar, gibt es nicht.

HAUPTBAHNHOF

Hier wird das WC von der Kette „rail & fresh“ betrieben. Wer muss, muss zahlen: einen Euro kostet der Eintritt. Dafür gibt es saubere Toiletten, Seife, Papierhandtücher, eine Art Rezeption, Luft zum Atmen und Putzfrauen. Das Örtchen ist nicht still, sondern sehr gut besucht.

STACHUS

Einst berüchtigt für seine Versifftheit, ist auch hier inzwischen eine kommerzielle Kette eingezogen: das „WC Center“. 70 Cent sind für einen Toilettengang fällig. Viele gehen wieder, nachdem sie den Preis gesehen haben. Minus: Es gibt kein Papier und nur einen Handtrockner, der Boden wirkt nicht ganz sauber. Sonst ist alles in Ordnung.

MARIENPLATZ

Unter Münchens guter Stube liegt Münchens Schandfleck: keine Seife, keine Tücher, keine Toilettensitze und ein bestialischer Geruch. Man ist fast dankbar, dass man wegen der schlechten Lichtverhältnisse nicht alle schaurigen Details erkennt.

850.000 Euro Steuergelder, aber keine Seife: Was die Stadt sagt

Nach dem verheerenden Testergebnis fragte die AZ beim zuständigen Kommunalreferat nach. „Da müssen sich die Leute schon selbst an die Nase fassen“, antwortet Sprecher Bernd Plank. „Wir können nicht noch mehr Geld reinstecken.“ 850.000 Euro gibt die Stadt derzeit jährlich für den Unterhalt aus. Vor zwei Jahren waren es noch 1,5 Millionen, fast doppelt so viel.

Geputzt werden die Toiletten von zwei Münchner Firmen. Welche das sind, will Plank nicht verraten. Warum es keine Spiegel gebe? „Die werden so schnell kaputtgemacht, darum haben wir beschlossen, keine mehr aufzuhängen.“ Und keine Seifenspender? „Vieles bringen wir aus Vandalismusgründen nicht mehr an. Wenn die Leute Spender kaputtmachen, geht’s halt nur mit Wasser.“

Derzeit erarbeite man aber ein „noch nicht spruchreifes Konzept“, das dem Stadtrat demnächst vorgelegt werden soll, so Plank. Erst im Juli waren Privatisierungspläne gescheitert, weil die Bieter zu viel Geld für die Sanierung verlangten (AZ berichtete). „Denkbar“ sei es, die Toiletten wie zum Beispiel am Stachus und am Hauptbahnhof kostenpflichtig zu machen.

Und was meinen Sie zur Sanitär-Situation in München, liebe Leser? Eine Auswahl der Kommentare veröffentlichen wir in der Wochenendausgabe der AZ.

Steffi Heckl, Timo Lokoschat

 

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