München Nina Ruge: "Wissen ist Macht über den Darmkrebs"

TV-Moderatorin im AZ-Iinterview. Thema: Darmkrebsvorsorge. Foto: Martha Schlüter

Die prominente TV-Moderatorin Nina Ruge engagiert sich seit Jahren für die Aufklärung zum Thema Darmkrebs. Ein Gespräch über Motivation und Erfolgserlebnisse.

 

AZ: Wie lange engagieren Sie sich schon gegen Darmkrebs?

NINA RUGE: Fast so lange, wie es die Felix-Burda-Stiftung gibt! Also bald zehn Jahre.

Gab es einen persönlichen „Auslöser“ oder Grund für dieses Engagement?

Den Auslöser gab es in Person von Frau Dr. Maar. Sie sprach mich am Rande einer BAMBI-Verleihung an und fragte, ob ich sie bei ihren Aktivitäten zur Darmkrebsvorsorge unterstützen würde.Das Thema war damals noch nicht gesellschaftsfähig, man sprach nicht über den Darm, und schon gar nicht über Darmspiegelungen, das waren „Igigitt-Tabus“. Ich fand damals: Genau das lohnt sich zu unterstützen. „Gemütliche“ Charity-Aktionen gab es genug. Mich reizte es, ein Tabu zu brechen und damit vielleicht die immense Zahl der jährlichen Neuerkrankungen (73.000!) senken zu können. Zudem wusste ich, was der tragische Anlass für das Engagement von Frau Dr. Maar war: Der Verlust ihres Sohnes, der an Darmkrebs gestorben war.

Warum ist für Sie die Aufklärung zur Darmkrebs-Früherkennung so wichtig?

Darmkrebs ist die einzige Krebserkrankung, die sich durch Vorsorge fast vollständig verhindern lässt! Wird Darmkrebs frühzeitig entdeckt, ist er fast zu 100 Prozent heilbar. Das heißt: Aufklärung, Information ist lebensrettend! Also muss Aufklärung, Information flächendeckend unter die Leute.

Hatten Sie bereits (persönliche) Erfolgserlebnisse bei dieser Arbeit?

Ich löchere sämtliche meiner Freunde und Bekannten, ob sie Darmkrebs in der Familie haben. Wenn ja, scheuche ich sie sofort zur Darmspiegelung, denn ein Drittel der Krebspatienten haben den Darmkrebs geerbt. Auch Taxifahrer oder Tischnachbarn beim Abendessen frage ich, ob sie etwas für die Darmkrebsvorsorge tun. Da kenne ich keinen Schmerz. Und ich habe viele motivieren können, sich um sich selbst zu kümmern. In einem Fall wurde Darmkrebs entdeckt – und konnte noch geheilt werden.

Warum ist das offene Gespräch in der Familie und im Freundeskreis so wichtig?

. . . . . weil die Spezies Mensch ein Meister im Verdrängen ist. Was man nicht weiß, macht einen nicht heiß? Von wegen. Darmkrebs killt auch dann, wenn man nichts von ih wissen will. Und weil Darmkrebs so heimtückisch ist. Er schmerzt nicht. Man spürt ihn nicht. Wenn man ihn spürt, dann ist es meist zu spät. Man kann ihn nur sehen. Also muss die Darmspiegelung alle fünf bis zehn Jahre sein. Bei familiär vorbelasteten Menschen wesentlich öfter. Und wenn man nicht drüber spricht, nicht daran erinnert, dann vergisst man diesen Liebesdienst gerne. Es ist ein Liebesdienst! Für den eigenen Körper.

Hat sich schon etwas verändert? Oder ist das offene Gespräch über die Krankheit immer noch tabu?

Es hat sich immens viel verändert. Große Behörden, Großunternehmen bis hin zu kleineren Firmen machen mit bei Darmkrebs-Präventions-Kampagnen für ihre Mitarbeiter. Die Informations-Arbeit, die Werbespots, die Anzeigenkampagnen der Felix-Burda-Stiftung haben bewirkt, dass in den Medien jedes Jahr im Monat März breit berichtet wird über das Thema, dank der Darmkrebsgala ist das Thema gesellschaftsfähig geworden. Durch die gestiegene Bereitschaft zur Vorsorge werden mehr Tumore im Frühstadium entdeckt, was vielen Menschen das Leben rettet.

Warum scheuen sich noch immer so viele Menschen vor einer rechtzeitigen Vorsorge-Untersuchung?

Es kursieren immer noch Horror-Storys über die vermeintlichen Fürchterlichkeiten der Darmspiegelung. Dabei ist die moderne Form der Koloskopie wirklich harmlos und völlig schmerzfrei. Im Gegenteil, ich fand es wirklich spannend, auf dem Bildschirm die Reise durch meinen Darm verfolgen zu können. Ich habe bei meiner ersten Darmspiegelung keinen Dämmerschlaf gewollt und mir alles angeschaut – übrigens ohne Schmerzmittel und trotzdem schmerzfrei!

Haben Sie Tipps für einen konstruktiven Umgang mit dem Thema Darmkrebs?

Das Wichtigste ist doch zu wissen – und das auch weiter zu sagen – dass der Darmkrebs, der statistisch jeden Sechsten in unserem Land erwischen würde, komplett ausradiert werden könnte. Wenn jeder sorgfältig vorsorgen würde. Dieses Wissen ist Macht. Macht über den Darmkrebs. Der jedes Jahr in Deutschland rund 26.000 Menschen tötet. Es könnten fast alle gerettet werden Also: Drüber reden – und handeln!

Interview: Michael Backmund

Experten am AZ-Telefon: Wie man sich schützen kann

Was sind die größten Risikofaktoren für Darmkrebs? Wie hoch ist mein familiäres Risiko? Wann muss ich zur Früherkennung? Wie kann ich mich schützen? - Rufen Sie an bei der großen AZ-Telefonaktion „Schutz vor Darmkrebs“ am kommenden Donnerstag, 18. März, von 12.30 bis 14 Uhr. Die AZ-Aktion zum Thema Früherkennung findet seit Jahren gemeinsam mit der Gastro-Liga, der Felix-Burda-Stiftung und dem Netzwerk gegen Darmkrebs statt.

Die Telefonnummern lesen Sie in der AZ vom Donnerstag. Für Sie am AZ-Telefon sind die beiden Darmkrebs-Experten: Dr. Berndt Birkner ist Experte für Koloskopie und arbeitet als Gastroenterologe in einer Gemeinschaftspraxis in München. Dr. Martin Strauch arbeitet als Gastroenterologe im Medizinischen Versorgungszentrum St. Cosmas in Neubiberg/München. Er ist außerdem Vorstandsmitglied der Gastro-Liga.

Nina Ruge – die prominente TV-Moderatorin engagiert sich seit Jahren als „Botschafterin“ der Felix-Burda-Stiftung für die Darmkrebs-Vorsorge. Weitere Infos zu Prävention, Diagnose und Therapie gibt es auch unter www.gastro-liga.de, www.netzwerk-gegen-darmkrebs.de oder unter www.felix-burda-stiftung.de im Internet.

 

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