München Neue Behördenrufnummer 115: Bei Anruf Amt

Für mehr Durchblick: OB Christian Ude und Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe stellen die 115 vor. Foto: Gregor Feindt

In einem Servicecenter der Stadt sitzen seit Montag 45 geschulte Mitarbeiter. Sie sollen alle Fragen zur Verwaltung beantworten können – vom Standesamt-Termin über Fundsachen bis zur Autozulassun. Die AZ hat's getestet.

 

München - Eigentlich wollte OB Ude nur in Ruhe fein Mittag essen: Gemütlich auf dem Sonnendeck eines Schiffes am Ufer der Spree. Doch da entdeckten ihn die aufgeweckten Mitarbeiter von „115“. Da war es mit der Ruhe des hungrigen Gourmet vorbei. „Sie haben mir ein Loch in den Bauch geredet“, erzählt Ude, „und mir erklärt, warum ich ein Provinzbürgermeister bin.“

Das saß. Beim Nachtisch war ihm staatsmännisch klar, dass er München aus der Provinz herausholen und an die neue, bundesweite Behördenrufnummer 115 koppeln will. Seit gestern können die Münchner unter der 115 alle Behördenfragen klären lassen: 45 geschulte Mitarbeiter sitzen dafür im Servicecenter der Stadt am Roßmarkt.

Dank Internet beantworten sie (theoretisch) nicht nur Fragen zur Stadtverwaltung: Auch zu Problemen, die Land oder Bund betreffen. Man kann sich sogar beraten lassen, wenn man Fragen zu einer anderen Stadt hat – sofern diese Stadt auch ein funktionierendes Informationssystem hat.

Bislang haben sich 279 Städte der einheitlichen 115 angeschlossen, und elf Bundesländer. Nur der Freistaat noch nicht: dem Finanzminister sei es zu teuer, hört man.

München hat dafür das Servicecenter ausgebaut, hat 1000 Bereiche in die Datenbank gespeist. Rund 300.000 Euro kostet die moderne Telefonzentrale im Jahr. Trotz der 115 bleibt die Rathausnummer 233-00.

Aus dem Festnetz sind Anrufe kostenlos, und einige Mobilfunkanbieter haben die 115 auch schon in die Flat aufgenommen. Auf „sanften Druck“ auch M-Net, wie Ude schmunzelnd erzählt: „Bei der Undurchschaubarkeit der heutigen Behördenlandschaft ist diese zentrale Nummer unverzichtbar.“ Und dann erzählt er, das er sogar der Chef der „Unteren Seilbahnbehörde“ ist. „Das hatte ich auch nicht gewusst.“ Die AZ hat getestet, ob seine 115-Zentrale das weiß, und was sie drauf hat.

Und so testete die AZ die neue Behördennummer 115

"Herzlichwillkommen bei der 115. Sie haben das Servicecenter der Landeshauptstadt München erreicht.“ So erklingt die freundliche Ansage.

Ja, Grüß Gott, unser Verein hat in Feldmoching eine große Sportanlage, mehr als zwei Kilometer lang. Ganz schön weit zu Fuß. Jetzt überlegen wir, da eine Seilbahn zu bauen, damit es für die Zuschauer nicht so weit ist. Wissen Sie, wie auf der Bundesgartenschau.
Schweigen in der Leitung.
Nachfrage: Ich rate mal, gibt es im Rathaus vielleicht eine Untere Seilbahnbehörde – sowas wie „Untere Naturschutzbehörde“?

„Sowas gibt’s nicht bei uns. Untere Seilbahnbehörde? Hm. Seilbahn, Bahn. Baureferat? Rufen Sie mal das Baureferat an 233 . . .

Die neue Auskunft hatte gestern zum Start viel zu tun, die Computer waren ständig überlastet. Doch die AZ hing beim Behördentest nur selten in der Warteschleife oder hörte „Rufen Sie später noch einmal an“. Ob die Fragen sachlich gestellt waren, süßlich oder bockig mit viel Adrenalin. Immer waren die Mitarbeiter ruhig und zuvorkommend. Auch wenn sie selbst erst stutzten und nicht weiter kamen.

Guten Tag, bei mir wird der Müll nicht immer abgeholt.
Gleich kamen die präzisen Fragen, etwa: Wo wohnen Sie? Danach wurde der Anrufer ans Abfallamt weiterverbunden, das auch prompt abhob und sagen konnte, dass bei uns immer mittwochs der Papiermüll abgeholt wird. Vorige Woche aber nicht.

Ich möchte aus der Kirche austreten. Wo muss ich das tun?
„Das müssen Sie bei ihrem Standesamt machen. Gehen Sie im Internet auf www.muenchen.de, klicken auf ,Rathaus’, dann geben dann im ,Dienstleitungsfinder’ nur ,Kirchenaustritt’ ein. Da müssen Sie nach Pasing oder ins KVR gehen. Im Infoblatt steht, was sie zu tun haben: Da müssen Sie persönlich beim Standesamt vorsprechen oder es schriftlich und notariell beglaubigt abgeben. Das kostet 26 Euro Gebühr und sechs Euro für die Erklärung.“

Ich habe mir einen neuen gebrauchten Wagen mit gelber Umweltplakette gekauft. Wie lange kann ich damit noch in München fahren?
Die freundliche Dame der Servicenummer überbrückt charmant die Zeit, während sie nach den Antwort sucht. Auch wenn dem Anrufer das Wort „Umweltzone“ nicht gleich einfällt, sie weiß gleich, was gemeint ist. Die richtigen Quellen zu finden, scheint jedoch schwierig zu sein. Die erste Antwort: „Bis Oktober.“ Man hört eine Kollegin helfend im Hintergrund. „Entschuldigung, ich habe Ihnen etwas Falsches gesagt: Bis 1. Dezember.“

Der Stadtrat muss das erst noch entscheiden. Geplant war der 1. Oktober. Heute - Dienstag - geht die Diskussion weiter: Vor der nächsten Verschärfung muss belegt sein, dass die Umweltzone auch etwas bringt.

Kann ich mit der gelben Plakette meine Oma in Stuttgart besuchen?

Die Suche nach der Stuttgarter Lösung scheint noch schwieriger. „Es müsste so sein, dass es in Stuttgart keine Umweltzone gibt.“ Dieser Information traut sie selbst nicht. Es wird angeboten, die Frage zu bearbeiten und binnen 24 Stunden zurückzurufen. „Oder warten’s – ich suche noch einmal anders.“ Prompt kommt die Antwort: „In Stuttgart darf man nur noch mit grüner Plakette fahren.“ - Richtig!

Ich habe in Frankfurt meine Brieftasche verloren. Wo ist da ein Fundbüro?

„Ist da Ihr Name drin? Also bei uns in München bekommen Sie die Sachen zugeschickt, wenn ein Name drin ist. Einen Moment.“ Dann hört man die Mitarbeiterin herzhaft lachen. „Die wern doch in Frankfurt ein Fundbüro ham. Null Treffer, da kann ich in die Suchmaske eingeben, was ich will: Fundbüro, verlorene Gegenstände. Nix. Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht helfen. Aber bei uns in München täten wir Ihnen die zuschicken. Wir haben hier ja ein Fundbüro.“
Frankfurt übrigens auch.

Servus, ich will am Samstag in Urlaub fliegen und sehe gerade zu meinem Schrecken, dass der Reisepass abgelaufen ist.
„Warten’s, mein Computer braucht gerade ein bissl, rufen im Moment viele Menschen an. Da ist es. Ja, da geht etwas. Das kostet aber mehr. Sie müssen dann im Kreisverwaltungsreferat oder in ihrem Bürgerbüro einen vorläufigen Reisepass beantragen. Wo wohnen Sie? Mal sehen: Da gehen Sie am Besten in die Ruppertstraße 19. Und bringen sie ein biometrisches Foto mit. Der vorläufige Ausweis kostet 26 Euro und gilt nur ein Jahr. Denken Sie dran: gleich einen Neuen beantragen!“

Grüß Gott, ich will den Herrn Ude sprechen, persönlich!

Ganz erstaunt ist die Dame vom Servicecenter, als sie hören muss, dass Ude nicht persönlich auf E-Mails geantwortet hat. „Hat er in all den Jahren nie einen Termin mit Ihnen ausgemacht?" fragt sie. Erst schlägt sie die Bürgersprechstunde vor. Doch um den OB selbst zu treffen, taugt die nix. Das muss sie auch zugeben. Also stellt die freundliche Dame direkt ins Vorzimmer des Oberbürgermeisters durch. „Da machen Sie einen Termin aus.“ Dort der ernüchternde Vorschlag: „Gehen Sie zur Bürgersprechstunde.“ Ohne Herrn Ude, „der ist viel zu beschäftigt.“ Auch der Verweis auf die 115 hilft nichts. „Die haben keine Ahnung. Termine mit dem Bürgermeister gibt es nicht.“ Das Vorzimmer verbindet zur Bürgersprechstunde...

Wenn man schon den OB nicht treffen kann.


Wie finde ich die Adressen alter Klassenkameraden?

"Da gibt es keine telefonische Auskunft, da müssen Sie ins Einwohnermeldeamt oder ins Bürgerbüro gehen. Da schreiben Sie den Namen und die alte Adresse formlos auf einen Zettel. Das kostet zehn Euro pro Person. Warum zeigt der Computer jetzt nichts an? Dann verbinde ich Sie eben direkt.“

 

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