München Koffer unter Verdacht: Eine Dose Ravioli legt den Hauptbahnhof lahm

Illustration Foto: Gabo Ggentur Focus / dpa report

Nach den Anschlägen in Rom sind die Nerven bei der Münchner Polizei offenbar angespannt: Die Geschichte eines seltsamen Bombenalarms am zweiten Weihnachtsfeiertag.

 

MÜNCHEN Das Szenario war beängstigend: Sprengstoffexperten, schwer bewaffnete Sicherheitskräfte und Spürhunde im Hauptbahnhof. Alarmstufe rot – und das alles wegen ein bisschen Pasta, wie sich schließlich herausstellen sollte.

Eineinhalb Stunden fuhren sämtliche S-Bahnen im Untergrund sicherheitshalber ohne Halt am Hauptbahnhof durch, weil dort am Bahnsteig ein verdächtiger schwarzer Reisekoffer entdeckt worden war.

Seit den Bombenanschlägen in der vergangenen Woche in Rom sind eben auch bei den Sicherheitsbehörden in München die Nerven angespannt. Als eine Streife am Sonntag um 8.05 Uhr im Untergrund des Hauptbahnhofs zwischen einem Mülleimer und einem Automaten für Softdrinks und Schokoriegel einen Koffer samt Plastiktüte am Bahnsteig fand, gab sie daher sofort Alarm. Niemand durfte sich den verdächtigen Gepäckstücken nähern. Der Bahnsteig wurde gesperrt, die Reisenden in Sicherheit gebracht und sämtliche Zugänge abgeriegelt. Die S-Bahnen fuhren zwischen Stachus und Hackerbrücke durch.

„Spezialkräfte rückten an und ein Sprengstoffspürhund“, berichtet Berti Habelt, Sprecher der Bundespolizei am Hauptbahnhof.

Kurz nach neun Uhr wurde der S-Bahnbetrieb auf der Stammstrecke komplett gesperrt. Anschließend begannen Sprengstoffexperten, die verdächtigen Gepäckstücke zu untersuchen. Nach 20 Minuten konnten die Spezialisten schließlich Entwarnung geben. Im Koffer fanden sie abgesehen von Wäsche und ein paar Kosmetikartikeln nur eine Dose mit Ravioli. Also mitnichten eine Bombe.

Der Alarm wurde daraufhin abgeblasen. Ab 9.35 Uhr lief der S-Bahnbetrieb auf der Stammstrecke wieder normal.

Die Bundespolizei konnte den Besitzer des Koffers wenig später ausfindig machen. Im Koffer hatte man seine Nummer gefunden. Am Telefon meldete sich ein freundlicher Herr – ziemlich aufgelöst, weil er nicht wusste, wo sein Gepäck abgeblieben war.

Der Mann war auf der Reise von Norddeutschland in München in eine S-Bahn umgestiegen. Dabei hatte er in der Hektik und aus Angst, den Anschlusszug zu verpassen, den Koffer samt der Dose Ravioli am Bahnsteig stehen lassen.

Bereits am frühen Sonntagmorgen hatte übrigens eine eingefrorene Weiche in Laim für Verspätungen und viel Frust bei Reisenden gesorgt. Einige Linien endeten außerplanmäßig am Ostbahnhof oder im Starnberger Flügelbahnhof.

Ralph Hub

 

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