München Jamunas letzte Reise geht nach Berlin

Illustration Foto: az

MÜNCHEN - Experten rätseln über die Krankheitsursache. Das nächste Junge kommt im Mai. Am Montag musste Elefanten-Baby Jamuna eingeschläfert werden. Die AZ klärt die wichtigsten Fragen nach ihrem Tod.

 

Gibt es neue Erkenntnisse über Jamunas mysteriöse Krankheit? Warum die Beine des sechs Monate alten Elefanten ohne äußeren Anlass gleich mehrfach brachen, ist weiter unklar. Erkenntnisse soll eine Obduktion am Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung bringen. „Erste Sektionsergebnisse erhärten den Verdacht, dass sich das Problem ähnlich darstellt wie bei der Glasknochenkrankheit“, sagt Tierpark-Direktor Andreas Knieriem. Dadurch wird Kalziummangel als Ursache eher unwahrscheinlich. Denkbar sind eine Störung des Bindegewebes oder ein genetischer Auslöser.

Wann steht das Ergebnis fest? Normalerweise in drei bis vier Wochen. Die Hellabrunner gehen jedoch davon aus, dass Jamuna die Wissenschaftler länger beschäftigen wird.

Jamuna war von ihrer Mutter Panang verstoßen und mit der Flasche gefüttert worden. Haben andere Zoos mehr Erfolg mit der Handaufzucht von Elefanten? Jein. Im Jahr 2000 starb in Berlin der kleine Elefantenbulle Kiri an einer Herpes-Infektion. Auch er hatte Ersatzmilch bekommen. „Dieses Problem beschäftigt uns Experten schon seit langem“, sagt Andreas Knieriem. Der promovierte Tierarzt hält einen Zusammenhang zwischen Herpes und Handaufzucht für möglich, weil das Immunsystem bei verstoßenen Kälbern schwächer ist. In Köln hingegen funktionierte das Fläschchengeben: Dort starb 2006 Elefantin Khaing Lwin Htoo und ließ ihre neun Monate alte Tochter Marlar zurück. „Sie hat auch lange Milch bekommen – und lebt ganz gut damit“, sagt Knieriem.

Hätte es bei Jamuna eine Alternative zur Handaufzucht gegeben? Nein. Ein Dumbo-Baby einzuschläfern, weil die Mutter sich nicht darum kümmert, verbietet das Tierschutzgesetz. Und es gab keine andere Elefanten-Kuh, die als Amme hätte einspringen können. „Wir haben uns nicht um diese Handaufzucht gerissen“, sagt Andreas Knieriem. Schon der personelle Aufwand sei enorm gewesen. „Für eine 24-Stunden-Betreuung braucht man drei Mal so viel Personal“, erklärt der Zoo-Direktor. „Aber wir hatten keine andere Wahl.“

Womit wurde Jamuna gefüttert? Die Norddeutsche Firma Salvana stellt seit einigen Jahren eine Spezial-Milch für Baby-Elefanten her. Vorher gab es nichts Vergleichbares. Versuche, selbst Milch zusammenzumischen, endeten fast immer mit dem Tod der Jungen.

Eignen sich Elefanten überhaupt für die Zoohaltung? „Es gibt nur ganz wenige Tiere, die sich nicht eignen – große Walarten zum Beispiel“, sagt Andreas Knieriem.

Wie geht es mit der Hellabrunner Herde weiter? Temi (8) wird im Mai 2011 ein Kalb zur Welt bringen. Der Zoo-Direktor ist zuversichtlich, dass sie ihr Baby selbst aufzieht: „Temi kommt aus dem Tierpark Friedrichsfelde, wo sie mit anderen Elefanten-Babys groß geworden ist. Deshalb hat sie eine größere Sozialkompetenz als Panang.“ Auf längere Sicht sollen die Giraffen aus dem Elefantenhaus ausziehen und ihr eigenes Gebäude bekommen. Das Dickhäuter-Reich soll erweitert und mit Geburtsställen ausgestattet werden.

Was geschieht mit Jamuna? „Wir werden ihren Körper der Wissenschaft zur Verfügung stellen“, so der Direktor. nk

 

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