München Horror-Nachricht für Studenten: Bayern kürzt Mensa-Zuschüsse

Illustration Foto: Manuel Reisp

MÜNCHEN - Wird jetzt alles teurer? Ein Drittel weniger gibt der Freistaat 2010 für Studentenessen aus. Das Studentenwerk appelliert an Ministerpräsident Horst Seehofer, die Kürzungen noch einmal zu überdenken.

 

3,2 Millionen Mittagessen werden im Jahr an den Theken der Münchner Uni-Mensen ausgegeben – Tendenz steigend. Ab einem Euro bekommt man ein Hauptgericht. Doch jetzt hat der Freistaat die Zuschüsse um ein Drittel gekürzt. Dem Studentenwerk fehlen damit 2,6 Millionen Euro im Jahr. Wird jetzt das Essen für die Studenten teurer?

Die studentische Vertretung der TU ist empört. Sie bezeichneten die Kürzung als „sozialen Kahlschlag“. Matthias Gottlieb sitzt im Senat und Hochschulrat: „Der Studentenwerksbeitrag ist seit 2003 um 50 Prozent gestiegen und jetzt spart der Staat auch noch am Essen“, verkündete er in einem offenen Brief, „Schritt für Schritt wird Studieren für finanziell Schwächere immer unerschwinglicher.“

Noch gibt es in der Mensa Hauptgerichte für 1 bis 2,40 Euro ohne Beilagen. Doch heißt es dazu vom Studentenwerk: „Wenn das Kabinett seine Entscheidung nicht noch einmal überdenkt, fürchten wir, dass wir um eine Erhöhung der Essenspreise oder eine Anhebung der Grundbeiträge nicht herumkommen“, meint Anke van Kempen vom Studentenwerk München.

Ein bayerisches Studentenwerk, so van Kempen, sei bereits gezwungen gewesen, die Mensa-Preise drastisch anzuheben. Das beunruhigt vor allem die Studenten, die längst auf das billige Mensa-Essen angewiesen sind. „Alles wird immer teurer, irgendwann ist die Grenze dessen erreicht, was man sich leisten kann“, meint Regina Kinner, die täglich in der Mensa im „Schweinchenbau“ isst.

Das Studentenwerk, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Selbsthilfeorganisation entstand, ist nach dem bayerischen Hochschulgesetz dazu verpflichtet, eine wirtschaftliche und soziale Infrastruktur für die Studenten zu schaffen. Zum Beispiel Wohnheimplätze oder auch die Verköstigung in der Mensa. Aber auch den Freistaat nimmt das Gesetz in die Pflicht. Er soll einen Teil der Kosten mittragen. Wie hoch diese Finanzspritze auszufallen hat, ist freilich nicht festgelegt.

Das Studentenwerk hat bereits in einem offenen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer appelliert, die Kürzungen noch einmal zu überdenken. Bislang gab es keine Antwort. Auf AZ-Anfrage heißt es vom Wissenschaftsministerium dazu: „Wir bedauern die Entscheidung sehr, natürlich sind wir zu Gesprächen bereit, gehen aber nicht davon aus, dass sich noch was ändern wird“, so eine Sprecherin. Ob Gulasch und Blaubeer-Pfannkuchen in der Mensa künftig mehr kosten, ist noch nicht sicher: „Wir haben zwar noch keine Lösung parat“, sagt Anke van Kempen, „aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“

Johanna Jauernig

 

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