München Heizung abgestellt - Entmietung brutal

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MÜNCHEN - Lärm, Staub und die Heizung abgedreht – damit wollte Wolfgang L. (25) ein Ehepaar (57, 50) aus seinem Haus in Tutzing vertreiben. Dafür musste sich der Haussanierer wegen des Versuchs der Nötigung jetzt vor dem Landgericht München II verantworten.

 

Wolfgang L., der bereits in erster Instanz zu 4500 Euro Geldstrafe verurteilt worden ist, streitet die Vorwürfe ab: „Ich hatte den Mietern ordentlich gekündigt und auf die Renovierungsarbeiten hingewiesen. Sie wollten nicht ausziehen. Das Haus ist 110 Jahre alt. Ich musste was tun.“Das Objekt stand Ende 2006 für 455.000 Euro zum Verkauf. Das Haus war in zwei Wohnungen unterteilt. Der Angeklagte wohnte im Dach und das Ehepaar im Erdgeschoss. Wolfgang L. nahm einen Kredit auf, kaufte das Haus und schrieb dem Ehepaar gleich eine Kündigung. „Ich hatte Eigenbedarf angemeldet“, so der Angeklagte. Aber bei 153 Euro Monatsmiete wollte das Paar die günstige Bleibe anscheinend nicht verlassen. Daraufhin ging der mutmaßliche Terror los. Laut Anklage soll Wolfgang L. ständig in der Früh das Radio voll aufgedreht haben, auf den Boden gestampft und im Treppenhaus die Böden und Wände aufgerissen haben. Teilweise sei auch der Strom abgestellt worden.

Höhepunkt war dann Anfang April 2007: Plötzlich ging die Heizung nicht mehr, und warmes Wasser gab es auch nicht. Die Gasheizung hatte jemand im Keller abmontiert. Der Angeklagte selbst weilte in dieser Zeit im Urlaub.

Mieter sind im August 2008 ausgezogen

Der Vorsitzende Richter Alexander Meyberg wollte wissen, warum er sich nicht vom Gericht einen Räumungstitel geholt hat: „Sie wussten doch schon beim Kauf, dass Mieter drin sind.“Der Angeklagte: „Schon. Aber ich dachte, ich kündige dem Mieter einfach und er zieht aus.“ Mit rüden Baumaßnahmen habe er seine ehemaligen Mieter nicht vertreiben wollen: „Eine Firma hat die Heizung, die schon 35 Jahre alt war und vom Kaminkehrer beanstandet wurde, ausgebaut. Ich wusste davon nichts.“ Die Mieter sind im August 2008 gegen eine Zahlung von 1836 Euro (zwölf Monatsmieten) ausgezogen. Der Prozess geht am 5. Mai weiter.

th

 

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