München Geiselnahme an Familie: Prozess nach über 19 Jahren

Gefesselt und geknebelt, mit dem Elektroschocker gefoltert und in ständiger Todesangst – 18 furchtbare Stunden war eine sechsköpfige Familie im Juni 1994 in der Gewalt von Geiselgangstern. Ihr Ziel: Zugang zu einem Banktresor. Der Boss steht jetzt vor Gericht.

 

München – Über eine beispiellos grausame Geiselnahme verhandelt nach fast 19 Jahren von Montag an zum zweiten Mal das Münchner Landgericht. Zwei Ehepaare sind noch 1994 für ihre Teilnahme an dem Verbrechen zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden, den mutmaßlichen Haupttäter haben Zielfahnder erst im vergangenen Jahr in Tirol aufgespürt.

Dem jetzt 44 Jahre alten Mann werden erpresserischer Menschenraub und schwerer Raub zur Last gelegt. Die Gang vermutete im Tresor einer Münchner Filiale der Bank für Gemeinwirtschaft Wertpapiere und Gold im Millionenwert. Zwei Überfallversuche scheiterten, da soll der 44-Jährige den Einfall gehabt haben, den Kassierer gefangen zu nehmen und zum Öffnen des Tresors zu zwingen.

Am 24. Juni 1994 verschafften sich die Täter unter einem Vorwand Zugang zur Wohnung, überwältigten unter Bedrohung mit Gaspistolen und Elektroschocker zunächst Frau und Mutter des Bankangestellten sowie die beiden Töchter. Der Kassierer und sein ebenfalls in der Bank tätiger Sohn wurden bei der Heimkehr überrascht. Es folgten stundenlange Quälereien. Die mit Klebeband gefesselten Geiseln wurden geschlagen, man steckte ihnen Pistolen in den Mund, bedrohte die damals 17-jährige ältere Tochter mit Vergewaltigung, folterte deren Großmutter mit Elektrostößen am ganzen Körper.

Unter dem Druck dieser Folter gab der Kassierer schließlich preis, der Tresor sei nur mit Hilfe einer Kollegin zu öffnen. Der Angeklagte und einer der anderen Männer fuhren den Familienvater zur Wohnung der Kollegin. Deren Mann wurde gefesselt und geknebelt in einen Schrank gesperrt, er hat das Trauma nie überwunden und sich 1996 umgebracht.

Mit seiner Frau und dem Kassierer fuhren die Täter damals zur Bank, wo sie 1,5 Millionen Mark erbeuteten und die beiden Angestellten gefesselt und geknebelt im Tresorraum zurückließen. Mittlerweile hatten sich deren Angehörige befreien können, die Polizei nahm vier Täter beim Aufteilen des Geldes fest. Dem Angeklagten gelang die Flucht. Gut 430 000 Mark aus der Beute wurden bei seiner Mutter und seiner Schwester in Serbien sichergestellt.

Der 44-Jährige saß bis 2012 in seinem Heimatland wegen eines Mordes in Haft. Danach legte er sich eine falsche Identität zu. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt.

 

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