München Donna Summer: Wilde Jahre an der Isar

Disco-Queen und Weltstar: Donna Summer lebte auch in München. Foto: dpa

Die Disco-Diva feiert an Silvester 60. Geburtstag. Acht Jahre lebte sie in München – ihr Ex-Mann spricht in der AZ über diese turbulente Zeit.

MÜNCHEN Eine Disco-Diva feiert runden Geburtstag: Donna Summer wird an Silvester 60 Jahre alt. Was viele nicht wissen: Acht Jahre lebte sie in München, schaffte hier den Durchbruch – dann wurde sie zum Weltstar.

Singen wollte die als LaDonna Adrian Gaines in Boston Geborene schon immer. 1968 fing sie als Darstellerin bei „Hair“ in München an – Regisseur Bertrand Castelli hatte seine ewig trällernde New Yorker Mitbewohnerin einfach mitgenommen, als er das Stück inszenieren sollte.

„Sie war der Clown der Truppe“ sagt Dagmar Krajnc, die am Set fotografierte. „Sich selbst nannte sie hässliches Entlein.“ Damals war die Sängerin gerade 19. Helmuth Sommer stieß später zur Hair-Crew: „Die Musical-Welt war beeindruckend“, erinnert er sich, „da kamen so viele Nationalitäten zusammen.“

1973 kam die Tochter auf die Welt

Besonders fasziniert war der strohblonde Wiener von der Afroamerikanerin Donna. „Wir haben natürlich viel Zeit miteinander verbracht“, sagt er. „Donna war in der Öffentlichkeit scheu und zurückhaltend, aber privat sehr witzig und quirlig. So exotisch, außergewöhnlich, lustig und spontan.“ Das gefiel dem 22-Jährigen – die beiden heirateten. Aus Sommer wurde Summer -so kam die Sängerin zu ihrem Künstlernamen. Das Paar lebte im Arabellahaus. Dort kam 1973 Tochter Mimi zur Welt. „Nicht geplant, aber nicht ungewollt“, sagt Sommer. „Wir nannten sie Mimi, weil sie beim Spielen immer Mimi vor sich hinsummte.“

Im Keller richteten die Produzenten Giorgio Moroder und Pete Bellote ein Studio für die aufstrebende Sängerin ein. Später zog die junge Familie in die Brienner Straße, drei Zimmer, Altbau. Helmuth jobbte als Geschäftsführer in einem Nachtclub, tagsüber passte er auf Mimi auf. „Eine stressige, sehr intensive Zeit“.

1975 entstand der Hit, der Donna zum Star machen sollte: „Love to love you baby“. Das „Time“-Magazine berichtete, für die Aufnahme wären 22 Orgasmen simuliert worden. Donna stöhnte sich durch den Song – und Moroder hatte im Gefühl, das hier etwas Großes entstanden war.

Privat lief es nicht so gut. „Unsere Lebensweisen drifteten auseinander“, sagt Sommer. Ewig konnte er nicht im Nachtclub jobben. „Ich wollte studieren.“ Donna ging immer öfter auf Reisen. Lang versuchte das junge Paar, die Beziehung zu kitten. „Es war keine laute Trennung, aber eine schmerzhafte“, sagt Helmuth Sommer. „Wir mussten einsehen, dass unsere Lebenswege nicht ausgereift und nicht zu vereinbaren waren.“

Ihr Ex ist Zahnarzt

Helmuth ging nach Wien, aus dem Musicaldarsteller wurde ein Zahnarzt. Donna und Mimi zogen in die Staaten. Mit fünf Grammys, drei Nummer 1-Alben und 130 Millionen verkauften Platten avancierte Donna zur Disco-Queen der 70er und 80er.

Doch der Ruhm hatte seinen Preis. „Sie war etwas depressiv veranlagt“, sagt ihr Ex-Mann. Der Karrieredruck, die zerbrochene Ehe – in New York wollte sie aus dem Fenster eines Hotels springen. Doch sie verfing sich im Vorhang, ein Zimmermädchen konnte sie retten.

Heute ist sie ein gesetzterer Mensch“, meint Sommer. Oft besucht er sie und Mimi, die heute drei Kinder hat. Donna ist seit 28 Jahren mit dem Sänger Bruce Sudano verheiratet und hat mit ihm zwei Töchter. Auch Helmuth hat in Wien Familie. Und nach 17 Jahren Pause hat Donna jetzt wieder ein Album veröffentlicht: „Crayons“. Laura Kaufmann

 

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