München Die Schläger von Solln: „Den verhauen wir jetzt“

Er faltet die Hände: Angeklagter Sebastian L. im Gerichtssaal Foto: dpa

MÜNCHEN - Neue Details im Mordfall Dominik Brunner (50†): Die Schläger von Solln planten offenbar schon in der S-Bahn, den Manager zu verprügeln. Die Ex-Freundin des Angeklagten Markus S. (19) beschreibt ihn als „liebevoll“ und „schüchtern“.

 

Die Angeklagten Sebastian L. (18) und Markus Sch. (19) sollen geplant haben, Brunner zu verprügeln. Das sagte Kriminalhauptkommissars Klaus S. (56) gestern aus. „Den verhauen wir jetzt“, sollen sich die Angeklagten zugerufen haben, als sie die S7 am 12. September 2009 kurz nach 16 Uhr am S-Bahnhof Solln verlassen hatten.

Vorher hatten die Angeklagten mit einem bereits verurteilten Freund versucht, vier Schüler (13 bis 15 Jahre) am S-Bahnhof Donnersbergerbrücke um 15 Euro zu erpressen. In der S-Bahn, in der auch Brunner saß, bedrohten sie die Schüler weiterhin.

Klaus S. verhörte kurz nach der Tat den Schüler Marcel L. (15). Der saß mit seinen drei Freunden im Vierer-Abteil. Die Angeklagten saßen gegenüber, bei Brunner. Er mischte sich ein, weil die Angeklagten laut sagten, dass sie die Kinder ausrauben werden. Brunner sagte: „Ich rufe jetzt die Polizei.“ Er stand auf und griff zum Handy. Die Angeklagten zu Brunner: „Du Spack, verständige doch die verdammten Bullen.“ Marcel L. belastete bei seiner Polizei-Vernehmung auch Sebastian L., der von den meisten Zeugen bislang als Mitläufer beschrieben wurde. „Beide fingen an, auf Brunner einzuschlagen. Jeder gab ihm fünf bis sechs Fußtritte“, gab der Schüler an.

Die ersten netten Worte über Markus S. kamen im Prozess von seiner Ex-Freundin, die Angestellte Alessandra K. (19): „Er war liebevoll, schüchtern und zurückhaltend – besonders Erwachsenen gegenüber.“ Im Winter 2005 hatten sie sich kennen gelernt. Bis Juli 2006 waren sie ein Paar. Die Beziehung sei ausgelaufen. „Er hat Alkohol getrunken und gekifft. Leider regelmäßig. Das war auch ein Streitpunkt. Am Ende steigerte sich das. Mindestens ein Joint pro Tag. Wenn er betrunken war, fing er an zu rappen“, erinnert sich Alessandra K.

Einmal wurde er nach zuviel Alkohol sehr aggressiv. Er hatte sich über seinen älteren Bruder geärgert. „Der Bruder hatte ihm im Streit ins Gesicht geschlagen. Markus hat zurückgeschlagen. Aber sein Bruder war sein Vorbild“, berichtet Alessandra K.

Philipp P. (19) wurde von Markus S. kurz vor der Festnahme angerufen, Markus S. sagte: „Wir werden uns sehr lange nicht sehen. Wir hatten in der S-Bahn Stress mit Jugendlichen, einer hat sich eingemischt, dieser Kerl hat als erster zugeschlagen, ich habe geblutet, ich habe zurückgeschlagen, wir haben ihn dann zusammen geschlagen.“

Philipp P.: „Ich dachte, er macht Spaß und taucht zwei Minuten später auf. Ich habe Markus nie schlägern sehen. Er ist eher schüchtern, innerlich ziemlich kaputt.“ Der Prozess dauert an.

th/jot

 

0 Kommentare