München Betrugsprozess: Abzocken leicht gemacht

Bego A. steht vor Gericht Foto: Torsten Huber

MÜNCHEN - Leichtsinnig haben Banken an den Betrüger Bego A. 423708 Euro nach Sarajevo überwiesen – „ich habe selber gestaunt, wie leicht das geht“, sagt der 27-Jährige vor dem Landgericht.

 

Unglaublich wie der Lackierer Bego A. (27) Banken und Sparkassen abzockte: Mehr als 400000 Euro überwiesen ihm die Geldinstitute auf verschiedene Konten ins bosnische Sarajevo – ohne große Prüfung. „Ich habe selbst gestaunt, wie einfach das geht“, sagte der Angeklagte Bego A. vor dem Landgericht München I. Die Anklage lautet: Betrug und Urkundenfälschung in besonders schwerem Fall.

Brille, schwarzer Kurzhaarschnitt und ein feistes Grinsen – Bego A., der von Justizbeamte aus der U-Haft in den Gerichtssaal geführt wird, scheint die Tragweite seiner Tat noch nicht umrissen zu haben. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Über seine Strafverteidigerin Catharina Dolleschel räumte er die Taten ein: „Ihm tut die Sache schrecklich leid.“ Sein Vater habe ihn im Sommer 2004 aus der elterlichen Wohnung in München geworfen. „Ich sollte endlich auf eigenen Beinen stehen“, so der Angeklagte und erklärte weiter: „Da geriet ich in finanzielle Not.“ Zuerst hielt er sich mit kleinen Gaunereien über Wasser. Beim Internet-Auktionshaus „ebay“ stellte er TV-Geräte und Laptops ein, kassierte das Geld und schickte keine Ware. Allein dieser Schaden beläuft sich auf 40000 Euro.

2006 ging er nach Sarajevo zum Onkel. Da kam ihm die Idee mit der Bank-Abzocke: „Im Internet habe ich nach Firmen gesucht.“ Auf ihren Homepages standen Adresse, Handelsregister, Bankdaten und der Name des Geschäftsführers. „Über das Handy rief er bei den Banken an, stellte mich als Geschäftsführer vor und verlangte eine Überweisung“, so Bego A.

Beträge von 2000 bis 8000 Euro orderte Bego A. Per Western Union sollte das Geld auf Konten in Sarajevo geschickt werden. „Die Konten gehörten armen Bosniern. Ich gab ihnen dafür 10 bis 20 Prozent. Dafür durfte ich deren Konten benutzen.“ In der Regel verlangen die Banken und Sparkassen per Fax einen Überweisungsauftrag. „Da dachte ich, das klappt nie. Ich habe irgendeine Unterschrift unter das Fax gesetzt.“ Ein paar Tage später war das Geld da. In einigen Fällen klappte der Trick nicht. Exakt 423708 Euro ergaunerte so Bego A.. Im Juni 2009 klickten die Handschellen. „Von dem Geld ist nichts mehr da“, sagte Bego A. Sein Onkel habe ihn erpresst: „Er wollte Schweigegeld. Ich kaufte ihm einen Audi A 8.“ Der Angeklagte war auch Teilhaber eines Casinos in Sarajevo. Kaum hatte sein Geschäftspartner von der Bankabzocke erfahren, beteiligte er ihn nicht mehr am Umsatz. „Sonst wäre er zur Polizei gegangen“, sagte Bego A., der auch viel Geld bei Glücksspielen verloren hat.

Die U-Haft in Sarajevo empfand er als „schrecklich“. „Dreck, Schimmel. Mit fünf Mann auf einer Zelle. Ich musste die Toilette schrubben.“ Für das schnelle Geständnis stellte ihm das Gericht eine Haft von höchstens vier Jahren und elf Monaten in Aussicht. Der Prozess dauert an. Torsten Huber

 

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