München Betrüger prellen 20 Polizisten

Angeklagt: Markus G. (37) vor Gericht, rechts daneben: Reinhard Sch. (49) im Gerichtssaal Foto: Torsten Huber

Zwei Gauner verkaufen über 20 Beamten in Rosenheim dubiose Anlagegeschäfte – es sollte 60 Prozent Rendite geben. Doch außer Spesen ist nichts gewesen. Schaden: über 600.000 Euro

 

MÜNCHEN Im Frühjahr 2006 machte in der Polizeiinspektion Rosenheim das Gerücht vom schnellen Geld die Runde: „60 Prozent Rendite im Jahr“, schwärmte ein Polizeiobermeister und zeigte den Kollegen gleich die erste Gewinnausschüttung. 500 Euro im Monat hatte der Beamte für eine Einlage von 10000 Euro bekommen. Mehr als 20 Rosenheim-Cops stiegen mit ein, zahlten zwischen 5000 und 10000 Euro. Plötzlich war das Geld weg. Sie waren auf zwei Betrüger reingefallen. Schaden: 628000 Euro.

Markus G. (37) und Reinhard Sch. (49) stehen jetzt wegen gemeinschaftlichen Betruges vor dem Landgericht München II. Die Verteidiger Harald Baumgärtl und Anja Sturm sagten: „Der Sachverhalt wird eingeräumt. Weitere Erklärungen werden nicht abgegeben.“ Das freut die Polizisten. Durch das Geständnis bleiben ihnen peinliche Auftritte vor Gericht erspart. „Jeder weiß, dass bei der Bank nur ein bis zwei Prozent Zinsen im Jahr drin sind“, sagt Baumgärtl und folgert, dass die Betrugs-Opfer leichtfertig gehandelt hätten.

Die Masche war alt: Das Duo gründete die Maonara AG mit Sitz in Wilmington im US-Staat North Carolina. Es war eine Briefkastenfirma. MarkusG. und Reinhard Sch. erzählten ihren Kunden: „Wir handeln mit Aktien. Da sind satte Gewinne drin.“ Die Polizeiinspektion Rosenheim als Einnahmequelle hatte Reinhard Sch. angezapft. Ein Ex-Spezl von ihm – und Betrugsopfer – ist dort Polizist. Über ihn kamen die Angeklagten an die Kollegen aus der Inspektion heran. Damit der Deal auch glaubhaft erschien, zahlten sie zunächst Gewinne aus. Die Betrugs-Opfer dachten, dass das Geschäft wirklich klappt. Doch nach kurzer Zeit wurde der Geldhahn zugedreht.

Markus G. machte nach der Hauptschule eine Lehre zum Versicherungskaufmann. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder – und 500000 Euro Schulden. Sein Partner ist Diplom-Verwaltungswirt, geschieden – er hat 30000 Euro Schulden. Seit 1989 ist er selbstständig in der Versicherungsbranche tätig.

Im Vorfeld des Prozesses wurde gedealt. Bei einem Geständnis soll Markus G. 40 Monate in Haft, Reinhard Sch. 42Monate. Für den Schaden müssen sie aufkommen und ihn abstottern. Von der ergaunerten Anlagesumme soll angeblich kein Cent mehr da sein. Der Prozess dauert an. Torsten Huber

 

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