München „Bankraub ist nur für Trottel“

Commerzbank in München: Am Mittwoch hat ein Mann in Haidhausen versucht, mit Hilfe einer Pistole Geld abzuheben. Foto: imago

MÜNCHEN - In Haidhausen hat’s am Mittwoch wieder einer versucht – und die Nerven verloren: Er floh ohne Beute.Trotzdem: Die Zahl der Überfälle nimmt zu.Die AZ erklärt die Täter und die Hintergründe

 

Mit flatternden Nerven und einer Pistole in der Hand stürmte am Dienstagabend ein schwarz gekleideter Mann in die Commerzbank am Max-Weber-Platz. Er bedrohte die Kassiererin und schrie: „Geld her!“ Doch weil die 24-Jährige die Scheine nicht schnell genug herausrückte, bekam der Bankräuber offenbar Fracksausen: Er flüchtete ohne Beute.

„Bankraub“, so sagen erfahrene Kriminaler, „ist nur etwas für Trottel“. Das beste Beispiel liefert ein 20-jähriger Münchner, der zuletzt die Hypo-Vereinsbank in der Schwanthalerstraße überfiel. Er ließ sich mit knapp 80 Euro abspeisen – und wurde nur Minuten später gefasst.

„Wer eine Bank überfällt“, sagt Kriminaldirektor Frank Hellwig, Chef des Dezernat 2, „steht mit einem Bein im Gefängnis.“ Die wenigsten kommen mit ihrer Beute ungestraft davon. Die Aufklärungsquote liegt bei rund 80 Prozent. Zwischen 2002 und 2009 wurden in München 85 Banken überfallen. 67 Fälle sind geklärt, die Räuber vor Gericht gestellt und verurteilt.

Untersucht man die Fälle der letzten zehn Jahre, so ist der „Durchschnittsräuber“ ein Typ mittleren Alters, Deutscher – und ihn plagen gewaltige Geldsorgen: zu hoher Lebensstandard, Spielschulden, Drogen.

„Die können ihren Lebensstandard nicht mehr halten und glauben, dass sie mit einem Banküberfall alle Probleme auf einen Schlag lösen“, erzählt Kriminalhauptkommissar Bernhard Baumann. Seit 15 Jahren fängt er beim K21 Bankräuber, 48 hat er selbst zur Strecke gebracht.

Laut Statistik schlagen Bankräuber bevorzugt am Donnerstagnachmittag zu, gefolgt von Mittwoch und Freitag. Gangster brauchen, wie andere auch, ja Geld fürs Wochenende. Geraubt wird deshalb gerne auch jetzt in der Vorweihnachts- und Urlaubszeit.

2010 wurden in München bereits elf Banken überfallen. Jahrelang sank die Zahl: 2009 waren es drei, 2008 zwei Überfälle. Eine Erklärung für den starken Anstieg in diesem Jahr hat man bei der Kripo nicht. Zufall? Folge der Wirtschaftskrise? Die letzten Jahre wurde kein Münchner zum Bankräuber, weil er seinen Job verloren hat, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. „An das große Geld kommt kaum einer der Täter heran“, erklärt Staatsanwältin Daniela Tausend. Die meisten Bankräuber erbeuteten Summen zwischen 2000 und 3000 Euro.

Der Grund ist simpel: Banken und Sparkassen lassen sich immer ausgebufftere Sicherungssysteme einfallen. Kassierer verfügen nur mehr über geringe Bargeldbeträge. Höhere Summen liegen in Safes mit speziell gesicherten Zeitschlössern. Oft gelingt es dem Personal ein Security-Pack unter die Beute zu schmuggeln – ein Mini-Sprengsatz, der Farbe verspritzt. Die Scheine sind damit sogleich wertlos, und der Täter ist auf der Flucht sofort zu erkennen.

Selbst wenn es einem Bankräuber tatsächlich einmal gelingt, alle Sicherungssysteme auszutricksen, kommt er nur selten in den Genuss seiner Beute. Die Männer, die beispielsweise im März die Postbank in Unterschleißheim ausräumten und dabei 200000 Euro erbeuteten, wurden kürzlich zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Wer mit einer Waffe in der Tasche eine Bank betritt, riskiert bereits drei Jahre Knast. Wer die Waffe beim Überfall benützt, bekommt zwei Jahre zusätzlich. „Die Höchststrafe für Bankraub beträgt 15 Jahre“, betont Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.

Bankräuber ist damit einer der am schlechtesten bezahlten Jobs überhaupt. Frank Hellwig: „Ein richtig mieser Stundenlohn, wenn man die Beute auf die vielen Jahre im Gefängnis umrechnet.“ Ralph Hub

DIE ÜBERFÄLLE 2010

Mitten in der Urlaubszeitbegannen sichdie Banküberfälle indiesem Jahr plötzlich zu häufen:Am 17. August stürmtenzwei Männer in die Hypo-Vereinsbank in der RosenheimerStraße. Weil die Kassiererinnur über Münzgeld verfügte,verschwand das Duoohne Beute.

Drei Tage später, am Freitag,überfielen erneut zweiMänner eine Bank. Diesmaleine Filiale der DeutschenBank in der Schwanthalerstraße.Sie erbeuteten einigetausend Euro und verschwandenzur Goethestraße.

Am 1. September erwischtees die Commerzbankin der Klenzestraße.Der Täter bedrohte eine Angestelltemit einer Pistoleund flüchtete mit mehrerentausend Euro.

Pech hatte dagegen ein Obdachloser,als er am 3. Septemberdie Hypo-Vereinsbankin der Schwanthalerstraßeausrauben wollte. DerFilialleiter speiste ihn mit einemBeutel Münzen ab.

Die Flucht mit dem Radlging völlig schief: Ein Zeugefolgte dem 20-Jährigen in dieBayerstraße: Festnahme.

Eine Woche später, am 10.September, schlug offenbardas Räuberduo aus der Rosenheimer-und Schwanthalerstraßeerneut zu; wieder aneinem Freitag. Diesmal hattenes die Täter auf eineStadtsparkasse in der Arnulfstraßein Neuhausen abgesehen.Doch der Coup brachtenur einige hundert Euro.

Am 30. September erwischtees die VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsbergin Krailling (Kreis Starnberg).Der Täter, ein Mann um die60 mit langen, grauen Haarenist flüchtig.

Eine ziemliche Pleite warder Überfall eines langjährigenSPD-Gemeinderats ausOberhaching. Der 60-Jährigewollte im Oktober mit einerBombenattrappe eine Bankim Alb-Donau-Kreis überfallenund wurde prompt erwischt.rah

 

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