München Alleine, zwei Kinder, zwei Jobs: „Aufbackbrezn und Nudeln“

Tatjana L.: Erstmal würde sie mit ihren Kindern Urlaub am Meer machen Foto: Petra Schramek

MÜNCHEN - Die Alleinerziehende Tatjana L. aus München hat zwei Kinder (10, 18) und zwei Jobs, dazu bekommt sie Hilfe vom Staat. Hier schildert sie detailliert, warum das Geld trotzdem nicht reicht

 

Tatjana L. (43) studiert Slawistik an der Uni und kümmert sich um ihre beiden Kinder, Arsenij (10) und Anastasia (18). Ihr Sohn leidet an Legasthenie und ADHS – die Therapie kostet Geld. In der AZ erzählt sie, wie sie über die Runden kommt.

AZ: Wie ernähren Sie als allein erziehende Mutter ihre Kinder?

TATJANA L.: Ich arbeite halbtags an der Uni – für 700 Euro im Monat. Vom Staat gibt es 461 Euro für die Kinder, weil der Vater nichts zahlt. Er ist im Ausland und kümmert sich nicht. Dazu verdiene ich etwas als Übersetzerin.

Das klingt nach einem Knochenjob. Wie sieht ihr Tag aus?

Wenn die Kinder in der Schule sind, gehe ich vormittags in die Arbeit. Am Nachmittag arbeite ich an meiner Magisterarbeit. Abends haben die Kinder oft Termine. Ich bringe meinen Sohn zum Sportverein oder zur Therapie – er leidet an Legasthenie und ADHS. Aber die Förderung für die Therapie läuft in einem halben Jahr aus. Sport und Musikschule für die Kinder kann ich mir nur leisten, weil ich zusätzliche Unterstützung vom Staat bekomme. Das ist toll, dass es so etwas gibt.

Wie viel geben sie im Monat aus?

Die Miete kostet 733 Euro, Telefon und Internet 150 Euro, die Fahrtkosten machen 100 Euro, Krankenversicherung 150 Euro. Wenn ich nichts dazu verdiene, kommen wir nicht über die Runden.

Sie haben etwa 200 Euro im Monat für Essen übrig. Wie kommen Sie damit aus?

Es gibt sehr oft Nudeln. Am Anfang der Woche setzen wir uns zusammen und besprechen, was wir kochen. Dann wird bei Aldi und Penny eingekauft. Zum Bäcker gehen ist nicht drin – es gibt Aufbackbrezn, die sind viel billiger.

Ihre Tochter ist 18 Jahre alt. Wie geht sie mit der angespannten finanziellen Situation um?

Sie hat viel weniger Anziehsachen als ihre Klassenkameradinnen. Für Klamotten haben wir im Moment gar kein Geld. Deshalb geht sie schon seit Jahren Babysitten.

Was würden sie sich als erstes leisten, wenn sie Geld dazu hätten?

Ich würde erstmal mit meinen Kindern Urlaub am Meer machen.

Interview: J. Jauernig

0 Kommentare