München 20 Jahre danach - Sedlmayr: Ein Mord aus Habgier

Zapft Bier in seinem Münchner Wirtshaus: Walter Sedlmayr Foto: dpa

MÜNCHEN - Am Mittwoch vor 20 Jahren wurde der Volksschauspieler in seiner Wohnung in Schwabing mit einem Hammer erschlagen. Mordermittler Josef Wilfling brachte die zwei Täter damals zur Strecke.

Auf dem Moosacher Trachtenfest hatte Josef Wilfling zufällig einen Kollegen getroffen und einen Scherz gemacht. „Stell dir vor, der Sedlmayr wird jetzt auch noch ermordet“, sagte der Kriminaler vor dem Hintergrund einiger brutaler Morde in der Münchner Schwulenszene. Nur Stunden später stand Wilfling in der Schwabinger Wohnung des TV-Stars. Walter Sedlmayr war mit einem Hammer in seinem Bett erschlagen worden. Genau 20 Jahre ist das heute her. Sedlmayrs Ziehsohn und dessen Verwandter wurden später als Mörder überführt und verurteilt.

Walter Sedlmayr galt als Paradebayer, als gestandenes Mannsbild. Er war der Bruder Barnabas, der den Großkopferten beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg die Leviten las. Nach dem Mord erfuhren plötzlich alle von Sedlmayrs homosexuellen Neigungen, davon, dass sich der Volksschauspieler mit Strichern traf.

Gezielt versuchten damals die Täter, falsche Spuren ins Milieu zu legen. Sie deponierten sogar eine Peitsche an Sedlmayrs Bett. „Das passte nicht zu ihm“, erzählt Josef Wilfling, „die Stricher, die wir befragten, erzählten allesamt, dass Sedlmayr nicht auf brutalen Sex stand.“ Nur einer versuchte bei den Befragungen immer wieder, den Verdacht in diese Richtung zu lenken: Sedlmayrs Ziehsohn, ein Gastwirt, Ende 30. Er wurde bald zum Hauptverdächtigen.

Doch es gab noch mehr, was Josef Wilfling und seine 50 Kollegen in der Soko Sedlmayr misstrauisch machte: Im Alibi des Ziehsohns klaffte eine Lücke von fast einer Stunde. Ein Hochzeitsvideo aus seiner Gaststätte bewies zweifelsfrei, dass der Gastwirt das Fest viel früher verlassen hatte, als er behauptet hatte. Genug Zeit, um nach Schwabing zu fahren und einen Mord zu begehen.

Auch beim Alibi seines Verwandten stießen die Ermittler auf Widersprüche. Darüber hinaus wurden an ihrer Kleidung Faserspuren aus einem am Tatort geplünderten Münzkoffer gefunden und auch Fingerabdrücke, die eindeutig beweisen, dass die Verdächtigen unmittelbar vor dem Mord am Tatort waren. Der Ziehsohn und sein Verwandter (ihre Namen dürfen nach richterlicher Entscheidung aus Gründen der Resozialisierung nicht mehr veröffentlicht werden) behaupteten dagegen immer, sie hätten Sedlmayrs Wohnung Wochen zuvor nicht mehr betreten.

Als dann auch noch die Tatwaffe, ein Schmiedehammer, den Verdächtigen zugeordnet werden konnte, saßen die beiden in der Falle. Motiv: Sedlmayr wollte seinen Ziehsohn nach einem Streit enterben. Für den Gastwirt der Ruin ...

Ein Jahr nach dem Mord erging Haftbefehl gegen die Tatverdächtigen. Es folgte ein spektakulärer Indizienprozess. Am 21. Mai 1993 verurteilte das Schwurgericht den Ziehsohn zu lebenslanger Haft. Außerdem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, was eine vorzeitige Begnadigung erschweren sollte. Sein Verwandter bekam ebenfalls Lebenslang.

Der Ziehsohn kam 2007 frei, sein Verwandter ein Jahr später. Beide beteuern noch immer ihre Unschuld. Josef Wilfling ist trotzdem sicher, dass er die Richtigen hinter Schloss und Riegel brachte. „Sie haben beide ein Teilgeständnis abgelegt. Später aber widerrufen“, erzählt der inzwischen pensionierte Kriminaloberrat. Dass die SedlmayrMörder mittlerweile wieder frei sind, trägt der ehemalige Kripo-Chef mit Fassung: „Man darf nicht erwarten, dass Täter auf ewig eingesperrt bleiben.“ Ralph Hub

 

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