Müller-Brot Verlogen in den Untergang: So flunkerten die Brot-Bosse!

Der Geschäftsbericht beweist: Die Müller-Brot-Chefs schwärmen im Jahr 2011 davon, wie sauber ihre Fabrik in Neufahrn doch ist– dabei laufen zu diesem Zeitpunkt dort Lebensmittelkontrolleure ein- und aus. Das Unternehmen macht gleichzeitig herbe Verluste

 

NEUFAHRN - Die Akte Müller ist nicht lang, zwölf Seiten, wenn man sie ausdruckt. Dafür steht allerhand drin – falsche Versprechungen etwa. Oder aufgemotzte Bilanzen. „Jahresabschlussbericht“ heißt dieses Schriftstück.

So einen muss jede GmbH erstellen. Der von Müller-Brot entsteht im November 2011 und erläutert, wie das Geschäftsjahr 2010 gelaufen ist, wie viele Schulden, Verluste und Gewinne die Firma gemacht hat. Das Schöne daran: Er ist öffentlich. Jeder kann ihn einsehen.

So liest man, dass 2010 kein leichtes Jahr für Müller-Brot war. Schulden drücken die Bilanz. Der Umsatz bricht ein. Der Mehlpreis steigt.

Die Geschäftsführer Klaus-Dieter Ostendorf, Stefan Huhn und Jürgen Kluge zeigen sich dennoch optimistisch – und loben ihre Zentralbäckerei in Neufahrn überschwänglich: „In dieser modernen Produktionsstätte wird unter strengsten hygienischen Bedingungen gearbeitet, um die vom Gesetzgeber und Kunden geforderte hohe Qualität liefern zu können“, heißt es in der Anlage „Lagebericht“.
Zu diesem Zeitpunkt gehen Lebensmittelkontrolleure hier seit Monaten aus und ein, bemängeln Schaben, Mäusekot und verdreckte Förderbänder.

Es ist der Anfang vom Ende für das Unternehmen. Die Bosse aber schreiben: „Die Einhaltung dieser anspruchsvollen Hygiene- und Qualitätsstandards in der Produktion ist Voraussetzung für die Belieferung des Marktes.“ Richtig erkannt, nix draus gelernt: Verlogen in den Untergang.

Finanziell sieht’s da schon schlecht aus. Im Bericht ist von „erheblichen Umsatzeinbrüchen“ die Rede – 17,5 Millionen weniger als im Vorjahr. Dem gegenüber stehen „extreme Verteuerungen“, vor allem beim Mehlpreis, der sich nahezu verdoppelt habe.

Trotzdem verbuchen die Geschäftsführer einen „Jahresüberschuss“ von 8,4 Millionen Euro. Die Botschaft: Müller macht Gewinn – trotz allem!
Das überrascht. Das operative Geschäft, also der Verkauf, verbucht nämlich ein Minus von 8 Millionen. Am Brotabsatz liegt es also nicht. Der Gewinn entsteht durch „außerordentliche Erträge“ von 23 Millionen. „Hier wurde wohl Tafelsilber verhökert“, sagt ein Steuer-Experte zur AZ. „Da wurden Beteiligungen oder Grundstücke verkauft, um das Ergebnis aufzumöbeln.“

Trotzdem blicken die Bosse siegessicher in die Zukunft. Es sei „absatzseitig mit keinen gravierenden Änderungen zu rechnen“ und es würden sich wohl „keine drastischen Verschiebungen der Marktanteile ergeben“. Schließlich sei man „in qualitativer wie quantitativer Hinsicht“ besser als Konkurrenten. Fürs nächste Jahr rechne man daher mit einem „ausgeglichenen Jahresergebnis“.

Heute ist Müller-Brot pleite.
 

 

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