Mord in Obersendling Mörder lauert an der Haustür: Messer ins Herz

Erschütterte Nachbarn haben Kerzen und Blumen in den Flur gelegt. Dort ist Katrin M. am Freitagabend niedergestochen worden. Foto: Daniel von Loeper/privat

Während ihr Freund in der Wohnung im zweiten Stock auf sie wartet, wird die 31-jährige Katrin M. unten im Flur attackiert: Sie stirbt auf den Fliesen neben den Briefkästen. Der Täter entkommt

 

Obdersendling - Sie war fast zu Hause. Katrin M. stand bereits im Hausflur, im zweiten Stock ihrer Mietwohnung in der Halskestraße in Obersendling wartete ihr Freund auf sie.

Doch ihre Wohnung erreichte die junge Verlagsangestellte nicht mehr. Katrin M. wurde im Hausflur von einem Mann abgepasst. Er stach mit solcher Wucht und Brutalität auf die hübsche Frau ein, dass die Klinge seines Messers abbrach. 18 Mal stach er auf sie ein. Ein Stich traf direkt ins Herz. Dann flüchtete er.

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Für Katrin M. gab es keine Rettung mehr. Sie starb an Ort und Stelle. „Es gibt bislang keinen Tatverdächtigen, geschweige denn einen Täter“, sagen Polizei und Staatsanwaltschaft übereinstimmend.
Katrin M. stammt aus Bautzen in Sachsen. Ihre Cousine ist eine bekannte Designerin in Dresden, ihre Tante CDU-Bundestagsabgeordnete. Die sagte zur „Morgenpost“ in Dresden: „Das hat uns alle stark getroffen, so etwas kann man nicht verstehen. Sie war immer so fröhlich, hatte nie über Probleme geklagt. Ich kann nur hoffen, dass die Polizei den Täter schnell findet.“
Katrin, ihre Nichte, lebte bereits seit mehreren Jahren in München. Die sportliche Diplom-Kauffrau arbeitete in einem Verlag.

Vor einem Dreivierteljahr zog Katrin M. in die Halskestraße in Obersendling. Verwandte halfen ihr beim Umzug. Nachbarn sahen oft ein Auto mit Bautzener Kennzeichen davor stehen. Auf ihrem Klingelschild steht auch der Name ihres Freundes, er ist ein Computerfachmann.

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Am Freitagabend hatte Katrin M. nach der Arbeit im „Fitness First“ in der Einsteinstraße trainiert. Gegen 20.30 Uhr kam sie nach Hause. Auf dem Heimweg schrieb sie ihrer Mutter noch eine SMS.
Als sie das Haus betrat, saßen ihre Nachbarn vor dem Fernseher. In der ARD lief „Das Traumhotel – Myanmar“. Eine Mieterin hörte plötzlich eine lautstarke Auseinandersetzung im Hausflur. Sie vermutete einen Beziehungsstreit.

Dass sich ihre Nachbarin in akuter Lebensgefahr befand, ahnte sie nicht und unternahm nichts. Wenig später kamen andere Nachbarn nach Hause. Sie betraten das Haus durch die Tiefgarage. Diese Nachbarn fanden Katrin M.: Sie lag in einer großen Blutlache unter den Briefkästen.

Die geschockten Nachbarn alarmierten sofort den Rettungsdienst und die Polizei. Für Katrin M. kam jede Hilfe zu spät. Sie starb auf den Steinfliesen im Treppenhaus. Der Täter entkam unerkannt.

Ihr Freund, so berichteten Nachbarn der AZ, erlitt einen schweren Schock. Die gemeinsame Wohnung wurde von der Polizei noch in der Tatnacht versiegelt. Bereits am Samstag hieß es, der Ingenieur sei über jeden Verdacht erhaben. Er könne als Täter ausgeschlossen werden.

Eine „heiße Spur“ zum Täter gab es bis gestern offenbar nicht. Ein Stalker, der in der Gegend sein Unwesen getrieben hatte und eine andere Frau belästigt hatte, wurde von der Polizei als Verdächtiger ausgeschlossen. Er hat ein Alibi. Bislang gibt es auch keine Hinweise, dass Katrin M. in der Vergangenheit von einem Mann belästigt oder bedroht worden ist.

Kannte sie ihren Mörder vielleicht gar nicht? „Wir ermitteln derzeit in alle Richtungen“, sagte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gestern.

Für die Kriminaler deutet die Vorgehensweise, die Vielzahl der Stiche, eher auf eine Beziehungstat, bei der sich lange aufgestauter Hass explosionsartig entlud.

 

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