Mord in der Messestadt Mutter von zwei Kindern getötet - Ehemann auf der Flucht

Mitarbeiter der Polizei sichern die Möbel vom Tatort. Die Leiche der zweifachen Mutter lag fast vier Wochen unentdeckt in der Wohnung. Foto: Hub

Blutiges Familiendrama in der Messestadt in Riem. Ein Sicherheitsexperte soll seine Frau ermordet und sich dann mit den beiden kleinen Kindern ins Ausland abgesetzt haben. Alles über die Hintergründe und das Motiv der Bluttat.

 

Riem - Süßlicher Verwesungsgeruch hängt in der Luft. Und das obwohl die Bewohner des Mietshauses in der östlichen Messestadt seit Tagen lüften. Die Wohnung im Erdgeschoss ist versiegelt. Fast vier Wochen lag hier die Leiche einer zweifachen Mutter. Von ihren beiden Kindern fehlt jede Spur. Der Vater steht unter Mordverdacht. Die Polizei fahndet nach dem Sicherheitsfachmann.

Hatida B. war überall beliebt. „Sie war so eine nette Frau“, sagen Nachbarn. „Sie war mit ihren Kindern fast jeden Tag auf dem Spielplatz.“ Töchterchen Jasmin (7) geht schon zur Schule, ihr Bruder Josef (3) ist noch zu jung dafür. „Eine tolle Familie, die drei waren unzertrennlich“, sagt eine junge Mutter aus der Messestadt. Alle in der Nachbarschaft glaubten, die vierköpfige Familie sei am 10. August in den Urlaub in die Türkei geflogen. Deshalb wurde niemand misstrauisch, dass sich in der Wohnung wochenlang nichts rührte. „Furchtbar, wir sind jeden Tag an der Tür vorbeigegangen und ahnten nicht, dass dahinter eine Tote liegt“, sagt eine Nachbarin geschockt.

Am Dienstagabend kam die Polizei. Die Schwester von Hatida B. hatte die Beamten verständigt. Sie machte sich Sorgen. Die Familie sollte am 24. August aus dem Urlaub zurück sein. Doch die 47-Jährige gebürtige Marokkanerin war nicht zu erreichen. Auch Abbas R. war am Montag nicht wieder in der Arbeit erschienen. Niemand wusste, wo er steckt. Gegen 20.30 Uhr öffnete die Feuerwehr die Wohnungstür der Familie. „Plötzlich stank es überall im Haus ganz fürchterlich“, berichtet der Hausmeister. Im Schlafzimmer lag eine Tote. Die Leiche war bereits so stark verwest, dass man sie zunächst nicht identifizieren konnte. Erst nach einem DNA-Vergleich stand fest, es handelt sich tatsächlich um Hatida B.

Von ihren Kindern Josef und Jasmin fehlt allerdings jede Spur. „Wir wissen derzeit nicht, wo sich die Kinder aufhalten“, sagt ein Polizeisprecher, „Wir hoffen, dass es ihnen gut geht.“

Ihr Vater Abbas R. ist ebenfalls unauffindbar. Der 62-Jährige betrieb in der Messestadt eine eigene kleine Sicherheitsfirma. In der City arbeitete er unter anderem als Wachmann. Abbas R. stammt aus dem Iran. Seit 14 Jahren lebt er in München. Derzeit deutet alles daraufhin, dass der 62-Jährige seine Frau getötet und sich dann mit seinen Kindern ins Ausland abgesetzt hat. „Die Leiche weist Spuren von Gewalt auf“, sagt Markus Kraus, Chef der Mordkommission.

Die Wohnung der Familie ist teilweise leer geräumt. Kleidung fehlt, Wertgegenstände und Geld sind ebenfalls verschwunden. „Er hat mir kürzlich erzählt, dass er sein Auto verkaufen will“, berichtet der Hausmeister der Siedlung. Abbas R. hat bereits Wochen vor dem Tod seiner Frau angefangen, alles zu Geld zu machen. „Er hat den Mord eiskalt geplant und durchgezogen, davon bin ich überzeugt“, sagt ein Nachbar.

In dem Mietshaus konnte den Sicherheitsmann keiner besonders gut leiden. „Er war ein Choleriker“, sagt Fawzi H.. „Wir haben mal gemeinsam einen Familienausflug nach Garmisch unternommen, dabei ist er wegen einer Kleinigkeit völlig ausgeflippt“. Die Ehe des Paares stand auf der Kippe. Abbas R. sei sehr eifersüchtig gewesen, habe seine Frau ständig rumkommandiert und schikaniert, erzählen Bekannte.

Das Paar habe sich oft gestritten. Manchmal wurde der 62-Jährige dabei auch gewalttätig. Zuletzt, so erzählt man, sei vor etwa drei Monaten die Polizei da gewesen und habe sich um die Frau und die beiden Kinder kümmern müssen. Bereits 2009 und 2013 habe es Fälle von häuslicher Gewalt gegeben. „Damals war es so schlimm, dass die Mutter mit ihren Kindern vorübergehend in ein Frauenhaus ziehen musste“, sagt eine Nachbarin.

Abbas R. wird inzwischen per Haftbefehl gesucht. Er steht unter Mordverdacht. Vermutlich hat er sich ins Ausland abgesetzt. Möglicherweise ist er mit den Kindern über die Türkei weiter in seine alte Heimat Iran geflohen. Dort droht Mördern die Todesstrafe. Der Sicherheitsexperte hat inzwischen fast vier Wochen Vorsprung. Genug Zeit, seine Spuren auf der Flucht zu verwischen. Sollte er sich tatsächlich in den Mittleren Osten abgesetzt haben, dürfte es für die deutschen Ermittler schwierig werden, den flüchtigen Familienvater zu fassen.

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