Mord im Lottoladen Frieda starb für ein paar Zigaretten!

Bestatter holten die Leiche der Geschäftsfrau ab und brachten sie in die Rechtsmedizin zur Obduktion. Foto: bayernpress

NÜRNBERG Der kleine Lotto-Laden an der Rothenburger Straße war ihr Leben: Obwohl sie schon 76 Jahre alt war, stand Frieda Hoose noch täglich hinterm Tresen. Jeder kannte die rüstige Dame und ihren Mann Horst, sie waren eine Institution im Viertel Sündersbühl. Jetzt ist Frieda Hoose tot. Ermordet – wegen ein paar Päckchen Zigaretten?

 

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Kurz nach sechs Uhr hatte am Samstagmorgen bei der Integrierten Leitstelle, zuständig für Feuerwehr und Rettungsdienst, der Notruf geklingelt. Es könne etwas passiert sein, sagte eine männliche Stimme mit ausländischem Akzent. Dann legte der Anrufer auf, der sich von einer Telefonzelle am Weißen Turm beim C&A gemeldet hatte. Notarzt und Polizei rasten in die Rothenburger Straße in Sündersbühl. Die Tür zum Lotto-Laden von Frieda Hoose war nicht verschlossen. Nicht verwunderlich. Denn die rüstige Dame öffnete immer schon bereits um kurz vor fünf Uhr. Doch niemand begrüßte die Beamten – sie fanden die Inhaberin hinter dem Tresen – jede Hilfe kam zu spät.

Es war bereits der fünfte Überfall

Wie die Obduktion ergab, war die Geschäftsfrau niedergeschlagen und dann erwürgt oder erdrosselt worden. „Es muss zu einem Kampfgeschehen gekommen sein“, sagte Polizeisprecher Peter Schnellinger. Doch Geld fehlt nicht, nur ein paar Zigarettenschachteln. „Es war wahrscheinlich ihr Fehler, dass sie sich gewehrt hat“, sagt Horst Hoose traurig. Der 76-Jährige – gebeugt von einer Rückenkrankheit – kann noch gar nicht fassen, was passiert ist. „Es war bereits der fünfte Überfall“, schildert er. Und obwohl die Polizei dazu geraten habe, Geld herzugeben, habe sich Frieda immer geweigert: „Beim letzten Überfall 2004 hat ihr einer die Pistole an den Hals gehalten. Trotzdem hat sie ihm erst nix gegeben.“ Mit 100 Euro floh der Täter, wurde wenige Meter weiter erwischt. Die resolute Frau arbeitet nach den Überfällen weiter, als wäre nichts geschehen. Meist an ihrer Seite: Sohn Jürgen, der nach einer Viruserkrankung im Koma lag und seitdem geistig zurückgeblieben ist. Ihr Mann, wegen der Rückenkrankheit schon lange Frührentner, kümmerte sich in seinem Büro hinter dem Laden um alles, was an Büroarbeiten anfiel.

Jeder im Viertel kannte die Familie, erschüttert standen die Menschen um die Polizeiabsperrung herum. Ein 45-jähriger Türke, der nebenan einen Gemüsestand betreibt, kämpfte mit den Tränen: „Es ist unglaublich, hier habe ich mir als Kind schon immer Süßigkeiten gekauft.“ Im August wollten Horst und Frieda Hoose das 50-jährige Geschäftsjubiläum und ihre Goldene Hochzeit feiern. „Das Geschäft war ihr Leben“, sagt Horst Hoose. „Ich werde es nie wieder aufmachen. Ich kann nicht dort arbeiten, wo sie starb.“ A. Uhrig Die Polizei (0911/2112-3333) hat 5000 Euro Belohnung ausgesetzt. Die wichtigsten Fragen: Wer hat Ostersamstag im Bereich des Geschäfts Rothenburger/Ecke Von-der-Thann-Straße zwischen 5 und 6 Uhr etwas gesehen? Wer ist der Anrufer?

 

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