Moderator-Rebell im Interview Niels Ruf: "Schweigsame Frauen verlieren nie ihren Reiz"

Niels Ruf geht unter die Köche Foto: SAT.1/ Willi Weber

Als Vorreiter einer ganzen Moderatoren-Generation sorgte Niels Ruf Ende der 90er-Jahre für einige Aufreger. Danach wurde es ruhiger um den mittlerweile 41-Jährigen. In der neuen Sat.1-Kochshow "Hell's Kitchen" mit Frank Rosin meldet sich Ruf nun zurück und beweist im Interview, dass er von seinem Zynismus und seiner Schärfe wenig bis nichts verloren hat.

 

Hamburg - Er war der erste Moderator seiner Art: Kompromisslos, direkt und manchmal hart an der Schmerzgrenze. Dennoch prägte Niels Ruf eine neue Art des Fernsehens und sorgte in seinen Shows "Kamikaze" oder der "Niels Ruf Show" regelmäßig für Aufreger und Skandale. In den letzten Jahren wurde es ruhig um den 41-jährigen Wormser, der jetzt in der neuen Sat.1-Show "Hell's Kitchen" wieder auf dem Bildschirm zu sehen sein wird. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach Ruf über seine Promi-Kollegen, seine Kochkünste und über den Niedergang von "Wetten, dass..?".

Herr Ruf, warum kochen Sie jetzt im Fernsehen?

Niels Ruf: Viele wissen das ja hierzulande noch gar nicht, aber Kochen im Fernsehen ist das neue Ding aus Amerika. Da darf ich natürlich nicht fehlen!

Um was geht es bei "Hells Kitchen"? Ums Kochen oder eher um ein Promi-Big-Brother in der Küche?

Ruf: In "Hell's Kitchen" werden Sie sehen, dass Spitzenküche keine Zauberei ist. Ein zusammengewürfelter Haufen verpeilter Hobby-Promis kann nach zwei Tagen zuverlässig ein 10-Gänge-Menü raushauen und damit 60 Gäste verärgern. Dann gibt's 'n Grappa auf's Haus und alles ist wieder gut.

Christine Kaufmann fand sie übrigens sehr nett - ist das nicht schon fast ein bisschen peinlich für Sie?

Ruf: Wie kommen sie denn darauf? Christine Kaufmann ist ja nicht nur die einzige deutsche Golden-Globe-Gewinnerin aller Zeiten, sondern auch eine sehr elegante Lady und seit vielen Jahrhunderten für ihren exzellenten Männergeschmack bekannt. Wäre ich nur ein paar Augenblicke früher auf die Welt gekommen, wir wären wohl schon längst in den Flitterwochen. So hat's nur zum Adoptivsohn gereicht. Mehr darf ich allerdings noch nicht verraten.

Hat Mickie Krause eigentlich immer seine alberne Perücke auf?

Ruf: Micky Krause war die größte Überraschung - ein bodenständiger Arbeiter im Bergwerk der deutschen Unterhaltungsindustrie, dazu reflektiert, selbstironisch und lustig. Was viele nicht wissen - er ist außerdem ein sehr talentierter Chef Patisseur.

Ist Lady Bitch Ray auf Dauer nicht unglaublich nervig?

Ruf: Sie meinen, ob einem dieser schrille Vulgärfeminismus irgendwann total auf den Sack geht? Nein, überhaupt nicht. Sobald die Lady am Herd steht, verwandelt sie sich übrigens in eine ziemlich fleißige Küchenbiene. Oder sagen wir: Hummel.

Wie waren die anderen Teilnehmer?

Ganz ehrlich: Der Wahnsinn. Ich glaube, da hat Sat.1 einen ziemlich guten Cast hinbekommen. Vom Olympiasieger bis zum Viva-Schmock ist alles dabei und dass ohne einen einzigen Mann auf High Heels oder sowas. Richtig toll sind Ingrid und Klaus, dieses ältere "TV Total"-Ehepaar. Sie schlägt ihn und er liebt sie, die #Aufschrei-Kids werden begeistert sein.

Kennen Sie die Original-Shows aus Großbritannien und den USA?

Ruf: Na klar. Gordon Ramsay, der alte Psychopath.

Was ist der Unterschied zu diesen?

Ruf: Naja, sagen wir: Es geht etwas weniger psychopathisch zu. Andererseits haben wir aber auch Leute wie die Bundesliga-Legende Torsten Legat an Bord.

War Frank Rosin genauso streng wie seine Kollegen aus den Vorlagen?

Ruf: Frank Rosin ist ja kein sadistischer Schotte sondern ein... tja, sadistischer Küchenchef aus dem Ruhrpott. Was soll man sagen? Seine Küche, seine Regeln.

Was gibt es bei Ihnen zu Hause zu essen, wenn Sie mal nicht fürs Fernsehen kochen?

Ruf: Salat ohne Dressing und dazu einen unkomplizierten Jahrgangschampagner. Ich mag es einfach.

Sie haben im letzten Jahr erstmals in Ausstellungen Foto-Arbeiten mit Bildern von Prominenten mit Wangenhaltern im Mund gezeigt. Geht das weiter?

Ruf: Ja, ich habe gerade Sido und Jan-Josef Liefers fotografiert. Und als nächstes fletscht der berühmte Sternekoch Frank Rosin für mich die Zähne.

Sie gelten als Vorreiter einer neuen Moderatoren-Generation. Funktioniert ein Kamikäzchen heute nicht mehr?

Ruf: Naja, Palina bei "Circus HalliGalli" geht doch so ein bißchen in die Richtung, oder? Schöne schweigsame Frauen verlieren eben nie ihren Reiz.

Die biedere Sache funktioniert nicht mehr: Lanz scheiterte grandios mit "Wetten, dass..?". Hingegen funktioniert Stefan Raab noch immer - wenn auch leidlich - und Joko und Klaas mausern sich gerade zum Kult. Warum ist das so?

Ruf: Doppel-Moderationen sind ja nicht so einfach - außer Tommy und Günther kriegen das doch wirklich nur Joko und Klaas hin. Außerdem sind die beiden gefühlt die einzigen Vertreter ihrer Generation im deutschen Fernsehen. Das einzige Problem ist wohl, dass ein gewisser Teil ihres theoretischen Publikums gar kein Fernsehen mehr guckt. Die Hipster sind ja alle nur noch im Netz!

Und was war aus ihrer Sicht das Problem bei "Wetten, dass..?"?

Ruf: "Wetten, dass" hätte meiner bescheidenen Meinung nach nicht ein neuer Moderator machen sollen, sondern jedes Mal ein anderer. Dann hätten auch nicht so viele abgesagt. Mal macht's der Schmidt und lädt da das halbe Burgtheater ein, mal fährt Raab gegen Tom Cruise ein Jet-Ski-Rennen und dann kommen Joko und Klaas und moderieren das zusammen mit Carmen Nebel und der fischigen Helene in Schutt und Asche, während Olli Schulz draußen Schnäpse mit dem Außenwette-Team zischt. Wer seine Wette verliert, muss zur Strafe mit Sarah Kuttner essen gehen. Und wer steht dann in der Küche und schmeckt mit seinem eigenen Blut ab? Ich!

 

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