Modekette hat Probleme Bogner: Ein Münchner Mythos in Bedrängnis

Nach jahrzehntelangem Erfolg hat Bogner nun zu kämpfen. Für seine Mode modelte er auch selbst (kleines Bild). Foto: dpa

Mutmaßliche Steuerhinterziehung, ein anonymer Brief und etliche Wechsel in der Führungsebene– der einst erfolgreiche Modehauschef Willy Bogner hat sichtlich Probleme.

 

München - Der Vorwurf wiegt schwer: Angeblich soll das Münchner Traditionsunternehmen Bogner Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Dies steht in einem anonymen Brief, der der Süddeutschen Zeitung (SZ) zugespielt worden ist. Der Inhalt sei voller Insiderwissen gewesen, berichtet das Blatt.

Kurz zuvor hatte Bogner, bekannt für seine luxuriöse Sportmode, selbst noch per Pressemitteilung veröffentlicht, dem Unternehmen sei "im letzten Jahr bekannt geworden, dass einzelne lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlich relevante Sachverhalte im Zusammenhang mit Sachzuwendungen an Mitarbeiter bisher nicht vollständig erfasst" worden seien. Sprich, offenbar wurden Steuern für Personaleinkäufe nicht bezahlt.

Rabatte für Mitarbeiter

Es ist kein Geheimnis, dass Mitarbeiter von Modefirmen oft Musterkollektionen günstig erwerben oder Rabatte bekommen können. Ein hübscher Bonus in den Augen der Angestellten, ein geldwerter Vorteil aus Sicht des Finanzamts, welcher zu versteuern ist. Eine Anfrage der AZ an Bogner zu den Vorwürfen blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Willy Bogner machte Stunts für James Bond

Willy Bogner (75), der das Modeunternehmen 1977 von seinem Vater übernommen hat, ist nicht nur als Designer bekannt. Berühmt wurde er auch als Skirennläufer und einer der besten Skikameraleute der Welt: 1969 filmte er Skifahrer für einen James-Bond-Streifen, mit fast 70 Jahren stürzte er sich auf Skiern noch eine Bobbahn für seinen Film "Feuer und Eis" hinunter.

Dass es in seiner Firma derzeit ziemlich rumpelt, ist schon Ende 2017 an die Öffentlichkeit gedrungen. Nach einem Bericht des Manager-Magazins soll Bogner im Dezember Insiderinformationen zufolge Untersuchungen gegen seinen bisherigen Vorstandschef Alexander Wirth eingeleitet haben. Unter anderem sollte der vorgelegte Jahresabschluss 2016/17 nochmal geprüft werden. Wirth ist mittlerweile aus dem Unternehmen ausgeschieden. Der SZ sagte Wirth jetzt, mit Bogners Steuerproblemen habe sein Rausschmiss nichts zu tun. Die "fehlerhafte Handhabung bei Personaleinkäufen" habe ihren Ursprung vor seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender.

Indessen gab es auch Wechsel im Aufsichtsrat: Zwei Mitglieder, die laut Manager-Magazin eng mit Bogner befreundet sind, hatten Ende 2017 ihre Ämter niedergelegt. Neben personellen kämpft Bogner auch mit Nachfolger-Problemen: 2015 war ein Verkauf der Firma im Gespräch, es sei ihm jedoch nicht genug dafür geboten worden, hieß es.

Wird die Firma Bogner zur Stiftung?

Nun erwägt er offenbar, sein Unternehmen, das als eine Kommanditgesellschaft auf Aktien firmiert, in eine Stiftung umzuwandeln. "Das ist in der Regel eine gute Lösung für ein Nachfolger-Problem", sagt der Berliner Stiftungsberater Hans Fleisch. Die Stiftung würde dabei zum Eigentümer des Unternehmens.

Denkbar wären zwei Möglichkeiten: Zum einen eine Familienstiftung, welche der finanziellen Absicherung von Angehörigen dient – auch der noch nicht geborenen. "Die zweite Möglichkeit ist die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung", so Fleisch. In dem Fall müsste Bogner das Geld nicht versteuern – die Gewinnausschüttungen dürften aber, je nach Stiftungszweck, beispielsweise nur für Bildung oder Kultur eingesetzt werden.

Der Vorteil beider Varianten: Das Unternehmen wäre vor Zerschlagung geschützt und Arbeitsplätze gesichert. "Mögliche Steuerprobleme werden so aber nicht gelöst", so Fleisch.

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Das traurige Privatleben von Willy Bogner

Auf der Überholspur befindet er sich erst als Sportler, dann als Unternehmer. Willy Bogner (75), könnte man meinen, führt ein Leben auf der Sonnenseite. Doch das stimmt leider nicht. So glänzend seine Karriere als Skirennfahrer und Modedesigner bis zu den aktuellen Steuer-Vorwürfen verlief (siehe oben), so heftig waren die Schicksalsschläge, die der gebürtige Münchner privat verkraften musste.

Bei Dreharbeiten löste ein Filmteam unter der Leitung von Willy Bogner 1964 eine Lawine aus, unter der u.a. seine damalige Lebensgefährtin, Ski-Star Barbara Henneberger, begraben wurde. Nach dem tragischen Tod heiratete Willy acht Jahre später das brasilianische Model Sônia Ribeiro, die beiden adoptieren zwei Kinder: Florinda und Bernhard. Ihr Sohn nahm sich nach einem Wiesn-Besuch 2005 mit 17 Jahren das Leben, die Bogners zogen sich noch stärker aus der Öffentlichkeit zurück. Anfang Mai 2017 starb Willys geliebte Frau an Krebs († 66).

Auf der Beerdigung gaben sich Willy und Tochter Florinda, die nicht in die Firma einsteigen will, Kraft.

 

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