Mobilfunk-Boom Die Ratschkathln 2.0

Die Rekorde purzeln immer schneller: Schon in 90 Prozent der Haushalte gibt es ein Handy – in manchen sogar drei oder mehr

 

München Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, ahnt es: Die Nutzung von Handys hat massiv zugenommen – obwohl viele Experten seit Jahren eine Sättigung des Marktes und des Gebrauchs erwarten. Doch mit jeder Statistik werden neue Rekorde gemeldet. Die jüngste: Laut Statistischem Bundesamt besaßen Anfang 2012 rund 90 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Handy. Kurz zuvor waren 114 Millionen Mobilfunkanschlüsse gezählt worden – in der Hälfte der Haushalte gibt es also zwei, drei oder noch mehr Handys.

Wozu werden die Handys benutzt?

Immerhin 87 Prozent nutzen sie tatsächlich zum Telefonieren (ein Jahr zuvor: 84 Prozent); 69 Prozent für SMS (64 Prozent). Stark gestiegen (von 13 auf 25 Prozent) ist die Nutzung des mobilen Internets und auch die Zahl der verschickten E-Mails (von 11 auf 25 Prozent).

Welche Rolle spielt das Fotografieren mit dem Handy?

Smartphones sind als Kameras in den vergangenen Jahren sehr beliebt geworden“, sagt Michael Schidlack vom Hightech-Verband Bitkom. 41 Prozent der Handy-Besitzer nutzen es als Kamera. Im Urlaub schießen sogar zwei Drittel aller Smartphone-Nutzer so ihre Fotos, 39 Prozent von ihnen haben gar keine andere Kamera mehr dabei.

Welche Smartphone-Funktionen werden täglich genutzt?

Laut Bitkom wird das Gerät hauptsächlich für den Besuch des Internets hergenommen (43 Prozent). Ein Prozent weniger telefoniert mit ihm oder versendet SMS. Je 34 Prozent nutzen das Smartphone zum Austausch in sozialen Netzwerken oder als Terminplaner.

Wie hat sich die Zahl der Mobilfunkanschlüsse entwickelt?

Vor genau 30 Jahren, am 13. Juni 1983, kam das erste Handy auf den Markt. Zehn Jahre später gab es 1,7 Millionen Anschlüsse. Eine weitere Dekade später war diese Zahl auf 64,84 Millionen geklettert. Nur fünf Jahre später wurde die 100-Millionen-Grenze geknackt (mit 107,25 Millionen). Derzeit sind es 114,3 Millionen Mobilfunkanschlüsse.

Wie ist die Entwicklung bei den Smartphones?

Die Verbreitung von Smartphones nimmt weiter zu und insbesondere Menschen jenseits der 50 steigen derzeit auf die modernen Geräte um. Aktuell besitzen 40 Prozent aller Bundesbürger ab 14 Jahren ein Smartphone. Vor einem Jahr waren es erst 34 Prozent. In der Altersklasse der 50 bis 64-Jährigen ist der Anteil der Smartphone-Besitzer allein im vergangenen halben Jahr um die Hälfte gestiegen – von 26 auf 39 Prozent, so Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder.

Wie entwickeln sich die App-Downloads?

Der Trend zu Apps für Smartphones und Tablet Computer hat sich im Jahr 2012 weiter verstärkt. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als 1,7 Milliarden Apps heruntergeladen. Das entspricht einer Steigerung von rund 80 Prozent im Vergleich zu 2011.

SMS, Twitter, Chats – lassen diese modernen Kommunikationsformen eigentlich unsere Sprache verkümmern?

Obwohl daran bereits seit gut 20 Jahren geforscht wird, konnte bisher keine einzige Studie einen Sprachverfall feststellen. Im Gegenteil. Die Mannheimer Linguistik-Professorin Beate Henn-Memmesheimer sagt: „Die Schriftsprache differenziert sich zunehmend aus: Morgens im Büro korrektes Hochdeutsch, nachmittags auf Twitter kurzsilbige Pointen, abends im Chat schludriger Redeschwall. Man kann deswegen von einer gestiegenen Schriftkompetenz sprechen.“ Die Linguistin: „Gerade auch Facebook hat die Art des Schreibens verändert. Seit es vielen als privates und berufliches Aushängeschild dient, wird dort in vielen Kreisen wieder mehr wert auf ,ordentliches’ Deutsch gelegt.

 

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