Mitten in der Nacht Großer Polizeieinsatz: Parkourläufer klettern auf den Dom

80 Meter über München: Sechs Kletterer steigen in der Nacht zum Freitag auf die Frauenkirche. Hier gibt's die Errinerungsfotos der Parkourläufer! Foto: Privat

Großer Polizeieinsatz in der Nacht zum Freitag: Sechs junge Männer, allesamt sogenannte Parkourläufer, klettern mitten in der Nacht auf den Südturm der Frauenkirche. Rund 50 Feuerwehrleute und Polizisten rückten aus.

 

Altstadt - In einer Nacht- und Nebelaktion sind sechs junge Männer in der Nacht zum Freitag auf den eingerüsteten, 98,45 Meter hohen Südturm der Frauenkirche geklettert. „Wir sind zum ersten Mal in München, wir wollten ein bisschen die Aussicht genießen“, sagte einer nach der Aktion zur AZ. Rund 50 Feuerwehrleute und Polizisten rückten aus, nachdem ein Augenzeuge einen der Männer in großer Höhe auf dem Turm entdeckt hatte. Die Rettungskräfte rechneten zunächst mit dem Schlimmsten.

Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand, dass die nächtlichen Kletterer sogenannte Parkourläufer oder Traceure sind: topfitte Artisten, die ohne Hilfsmittel Hindernisse wie Mauern und Gebäude überwinden.

Um 1.25 Uhr lief der Großeinsatz an: Ein Augenzeuge meldete der Polizei, dass auf der Frauenkirche jemand herum klettern und abzustürzen drohte. Sofort rückten Polizei und Feuerwehr aus, allein die Feuerwehr fuhr mit 30 Einsatzkräften am Frauenplatz vor. Auch ein Sonderfahrzeug mit einer ausfahrbaren Hubbrettbühne machte sich auf den Weg zum Frauenplatz.

Direkt vor dem Südturm legten die Retter ein 3,50 mal 3,50 Meter großes Sprungpolster auf. Es bläst sich innerhalb von 30 Sekunden selbst auf und wird 1,70 Meter dick. Bis zu einer Fallhöhe von rund 16 Metern, was einem Sturz aus dem dritten Stock entspricht, bietet es sicheren Schutz. Doch die Parkourläufer waren sehr viel weiter oben – sie kletterten etwa 80 Meter hoch – bis zum Glockenstuhl. Die Polizisten forderten die Männer auf, wieder herunter zu kommen. Kurz nach 2 Uhr waren dann alle freiwillig wieder herunter geklettert: sechs Männer aus Deutschland, Bulgarien, der Ukraine und aus Russland, alle Anfang 20. Kaum hatten sie wieder festen Boden unter den Füßen, nahm sie die Polizei mit ins Präsidium an der Ettstraße, die sogenannte Löwengrube.

Alle sechs bekamen eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Die Polizei nahm die Personalien der Kletterer auf und befragte sie. Auch forderten die Polizisten die Parkourläufer auf, alle Fotos, die sie auf der Frauenkirche gemacht hatten, zu löschen. Einige Handyfotos wurden dabei aber übersehen (siehe Bilderstrecke). Zwei Stunden später, gegen 4 Uhr, durften die Dom-Besteiger wieder gehen. Alle sechs müssen nun mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.

Wie die AZ erfuhr, sind die Frauenkirchen-Kletterer allesamt Teilnehmer der derzeit in München stattfindenden „FamJam“ (Free Arts of Movement). „Ich bin zum ersten Mal in München. Ich wollte diese schöne Stadt mal von oben sehen“, sagte einer der Dom-Kletterer zur AZ. Die „FamJam“ findet noch bis kommenden Sonntag in München statt. Rund 400 Teilnehmer aus aller Welt trainieren miteinander, tauschen sich aus und treten ohne Wettkampfbedingungen aus Spaß gegeneinander an.

Außer Parkour- und Freerunners nehmen auch Tricker und andere Bewegungskünstler und Akrobaten teil. Coaches aus aller Welt geben Tipps, Workshops finden im Freien wie etwa beim Freeclimbing an den Isarmauern statt oder in der Halle in der Ungsteinerstraße 50 in Giesing.

Das Event wurde 2009 von dem deutschen Parkour- und Freerunning-Pionier Andreas Ruby gegründet. Er ist auch ausgebildeter Sportlehrer.

Veranstalter Andreas Ruby reagierte nicht unbedingt erfreut auf die Nachricht, dass Teilnehmer seiner Veranstaltung nachts auf das Münchner Wahrzeichen geklettert und von der Polizei erwischt worden waren. „Ich kann schon verstehen, dass sie ihren Sport gerne überall betreiben wollen, aber sie müssen sich an die Gesetze halten“, so Ruby. „Als Veranstalter kann ich das nicht gut heißen.“

 

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