Mit Tierschützern unterwegs Scheue Jägerin: Der Wildkatze auf der Spur

Die Wildkatze, eigentlich ein bayerischer Ur-Einwohner, ist größer und gedrungener als die Hauskatze, die ursprünglich aus Asien stammt. Foto: dpa

Sie ist – obwohl nur sehr entfernt verwandt – kaum von einer getigerten Hauskatze zu unterscheiden, sehr scheu und galt im Freistaat jahrzehntelang als ausgestorben: die Wildkatze. Seit geraumer Zeit erobert die nächtliche Jägerin ihren ursprünglichen Lebensraum zurück. Die Analyse von Haarproben soll nun zeigen, wie weit sie dabei schon gekommen ist.

 

München - Bei einer Exkursion zur Moosschwaige erklären Martin Hänsel vom Bund Naturschutz und Edwin Grodeke vom Kommunalreferat, wie das „Lockstock-Projekt“ im Rahmen des bundesweiten Wildkatzen-Monitorings funktioniert.

Vor 250 Jahren kam die Wildkatze noch flächendeckend in allen größeren Wäldern vor. „Aber sie wurde zur Bestie hochstilisiert und als Wild-Schädling bejagt“, sagt Hänsel. „Dabei stellen die Tiere keinerlei Gefahr dar – weder für den Menschen, noch fürs Wild. Sie fressen im Wesentlichen Mäuse und Lurche.“ Trotzdem: 1914 wurde dann zum letzten Mal für lange Zeit eine wilde Wildkatze in Bayern gesichtet.

1984 begann der Bund Naturschutz, unterstützt vom Landwirtschaftsministerium und verschiedenen Forstämtern, die Wildkatze in Bayern wieder anzusiedeln. Bis 2009 wurden im Spessart und im Bayerischen Wald rund 600 Tiere ausgewildert.

Seitdem scheinen mehrere Exemplare südwärts gewandert zu sein, 2014 gelang ein Nachweis östlich von Augsburg. Mit dem „Lockstock-Projekt“ soll nun herausgefunden werden, wo mittlerweile weitere Tiere leben.

Zu diesem Zweck wurden im Frühjahr rund 1000 Lockstöcke in Bayern aufgestellt, etwa 30 davon rund um München: in Forstkasten, Jesenwang, auf dem Taubenberg – und eben an der Moosschwaige. Die Kanthölzer werden mit Baldrian besprüht, dessen Duft Haus- wie Wildkatzen äußerst attraktiv finden und der die Tiere dazu verleiten soll, sich an dem angerauten Pflock zu reiben.

Einmal pro Woche kontrollieren Martin Hänsel und seine Kollegen die Stöcke mit einer Lupe. Entdecken sie daran Haare, werden diese in Plastiktüten verpackt und zur genetischen Analyse ans Frankfurter Senckenberg Institut geschickt.

Anschließend werden die Kanthölzer „abgeflammt“, um sie zu säubern, und wieder mit Baldrian besprüht. „Die Versuchsfläche in der Moosschwaige entspricht genau den Anforderungen der Wildkatze“, sagt Edwin Grodeke vom Kommunalreferat. „Die zwei Lockstöcke stehen auf einer einsamen Waldlichtung, fernab von Spazierwegen und menschlichen Siedlungen.“

Zudem bewirtschafte die Städtische Forstverwaltung die umliegenden Wälder nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes. „Sie bieten der Wildkatze deshalb gute Lebensbedingungen.“ Eigentlich.

Doch bislang wurde dort noch kein Katzen-Haar entdeckt – obwohl ein sogenannter „Wildkatzen-Korridor“, also eine mögliche Wanderroute, in nur etwa 20 Kilometern Entfernung über Jesenwang gen Murnau führt. Dort und am Ammersee hatten die DNA-Sammler deutlich mehr Erfolg. „In beiden Bereichen wurden sehr viele Haare an den Lockstöcken gefunden“, sagt Martin Hänsel. „Wir sind sehr zuversichtlich.“

Ob darunter DNA-Material einer Wildkatze ist, wird der Naturschützer erst Ende Oktober erfahren. So lange dauert es, die „genetischen Pfotenabdrücke“ zu entschlüsseln.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading