Mit Schwenningen gegen EHC Ex-Coach Cortina: "In meiner Brust schlagen zwei Herzen"

Mit seinen Schwenninger Wild Wings tritt Ex-Bundestrainer Pat Cortina am Donnerstag beim EHC München an, den er viele Jahre trainiert hat. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Für Coach Pat Cortina läuft es in Schwenningen sehr enttäuschend. Nach zehn Niederlagen in Serie geht es nun gegen seinen Ex-Klub EHC Red Bull München. "Ich habe mich hier nie wie ein Gegner gefühlt."

 

Der ehemalige deutsche Bundestrainer ist seit 2016 Coach der Schwenninger Wild Wings in der DEL. 2006/07 und von 2008 bis 2013 war der 54-Jährige der Trainer des EHC München. Am Donnerstag (19.30 Uhr) treffen die beiden Teams aufeinander.

AZ: Herr Cortina, am Donnerstag gilt es für Sie mit den Schwenninger Wild Wings bei Ihrem Ex-Klub EHC Red Bull München. Nach zehn Niederlagen in Serie eine extraschwere Aufgabe, beim Triple-Meister anzutreten.
PAT CORTINA: Ja, wir haben sicher nicht den Start in die Saison gehabt, den wir uns alle erhofft haben. Es ist hart, sehr hart. So sehr ich München liebe, es ist jetzt definitiv nicht die Zeit, auf den Gegner zu schauen. Wir müssen an uns arbeiten, die Lösungen und Wege in uns selber finden, um aus diesem Loch wieder herauszukommen.

Zehn Pleiten hintereinander, das hat schon so manchen Trainer seinen Job gekostet.
Das stimmt, am Ende des Tages muss immer jemand für Niederlagen die Verantwortung übernehmen. Ich bin lange genug in dem Geschäft, um zu wissen, wie es läuft. Zum Glück sind wir noch nicht am Ende des Tages angelangt. Es herrscht hier in Schwenningen keine Panik im Verein. Wir haben unzweifelhaft eine Ergebniskrise, aber wir sind noch nicht bei einer Leistungskrise angekommen. Und wenn ich sehe, mit welchem Einsatz meine Spieler jeden Tag zum Training kommen, dann gibt mir das Hoffnung, dass wir aus dieser Ergebniskrise auch wieder herauskommen. Und noch wichtiger ist, dass die Spieler selber diese Hoffnung haben.

Pat Cortina: "Es ist Zeit, dass die Spieler sich selber belohnen"

Nach dem Spiel gegen Köln sagten sie, dass der "emotionale Tank" leer sei.
Ja, das war in dem Moment so, aber dann lädt man seine Batterien wieder auf, schüttelt das ab und greift wieder an. Klar wird das schwieriger, je länger eine Negativserie dauert. Es ist Zeit, dass die Spieler sich selber belohnen.

Vor der Saison haben Sie mit Will Acton und Damien Fleury zwei Ihrer Topspieler verloren, kann ein Verein wie Schwenningen solche Abgänge überhaupt kompensieren?
Das ist extrem schwer. Wir hatten damals bei Acton Glück, dass es bei seiner NHL-Karriere nicht so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hatte und wir ihn uns dann schnappen konnten. Es war aber klar, dass wir ihn nur schwer halten können würden, wenn andere Klubs anklopfen. Wir haben gehofft, dass wir vielleicht wieder Glück haben könnten und uns ein anderer derartiger Spieler verstärken könnte, aber wir hatten dieses Glück bisher nicht. Und was auch viele vergessen, ist, wie wichtig ein Spieler wie Uli Maurer für ein Team wie Schwenningen war.

Mr. Selbstlos, den Sie ja schon aus der gemeinsamen Münchner Zeit kannten und der jetzt seine Karriere beim SC Riessersee ausklingen lässt.
Es geht im Eishockey nicht nur um Tore. Uli ist der perfekte Profi, der sich und sein Ego nie in den Mittelpunkt stellt, der für alle ein riesiges Vorbild ist. Die Art, wie er sich auf jede Partie vorbereitet, wie er die Spieler anspricht, er hält ein Team zusammen. Ein Spieler wie er ist schwer zu ersetzen.

"München ist meine Heimat"

Wie emotional ist Ihre Heimkehr nach München für Sie eigentlich immer noch? Sie waren hier von 2006 bis 2013 mit kurzer Unterbrechung Trainer des EHC München.
Es wird sich nie etwas daran ändern, dass München für mich Heimat ist. Meine Familie lebt weiterhin hier. Es ist so: In meiner Brust schlagen zwei Herzen. Eines für Schwenningen und eines für München. Ich habe einfach wunderbare Erinnerungen an die Zeit hier, ich war hier als München-Coach, als Bundestrainer, als Schwenningen-Coach, und ich habe mich hier nie wie ein Gegner gefühlt. Ich treffe hier immer noch auf sehr viele bekannte Gesichter und ich verbringe meine freien Tage auch weiterhin in München. Ich habe in München extrem viel gelernt. Und es war nicht immer eine leichte Schule.

Können Sie das erklären?
Nun, damals war ja im Sommer nie klar, ob wir für die neue Saison eine Mannschaft zusammenhaben werden. Es war ja jedes Jahr ein Kampf, aber man hat dadurch gelernt, nie in Panik zu verfallen. Wer Lösungen sucht, wird meist eine finden. Diese Schule hilft mir jetzt auch in Schwenningen weiter. Wer eben viel erlebt, viel gesehen hat, der weiß, dass man am besten immer ganz man selbst bleibt.

Auch München hat in dieser Saison so seine Probleme.
Sie sind immer noch München, immer noch der Meister, um den EHC braucht sich keiner Sorgen zu machen. Bei ihnen gilt es ja schon als Krise, wenn sie zwei Spiele verlieren.

 

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