Mit Schrottkisten durch Europa Carbage Run: Polizei stoppt schräge Gaudi-Rallye in München

Aus für den alten Saab 900 mit Plüsch-Gorilla und selbstgeschweißtem Rammschutz. Foto: Polizei

Statt mit aufgemotzten PS-Monstern geht es mit Schrottkisten quer durch halb Europa. Das ist die Idee des 2.500 Kilometer langen "Carbage Run". Bei einigen Fahrzeugen muss die Münchner Polizei den Spielverderber spielen.

München – Müll auf vier Rädern - mehr sind die alten Kisten im Grunde genommen auch nicht mehr. Die Autos müssen älter sein als 15 Jahre und dürfen nicht mehr wert sein als 500 Euro. Nur mit solchen Möhren darf man teilnehmen an "Europas größter und abgefahrenster Autorallye", wie der Veranstalter das Spektakel anpreist. "Wir wollen Kreativität, Spannung, Abenteuer und Spaß ohne Ende."

Das Winterrennen führt innerhalb von fünf Tagen von München aus über Ljubljana, Belgrad, durch Transsilvanien, Ungarn und die Slowakei – insgesamt rund 2.500 Kilometer. Start war am Montagmorgen in Taufkirchen. 400 abenteuerlustige Motorsport-Fans, die meisten aus dem schönen Holland, trafen sich auf dem Airbus-Parkplatz an der Hugo-Junkers-Straße.

Drei Rallye-Kisten sind so abenteuerlich, dass sie stillgelegt werden

13 Beamte der Verkehrspolizei fühlten den Rallye-Piloten kurz vor dem Start auf den Zahn. Ein 28-Jähriger wirkte auf die Polizisten so zugedröhnt, dass er zur Blutentnahme gebracht wurde. Gegen ihn wird wegen Drogenmissbrauch ermittelt.

Auch einige der Autos waren in einem ähnlich desolaten Zustand. Versichert, TÜV-geprüft und verkehrssicher sollten sie sein – so verlangt es jedenfalls der Veranstalter in seinen Teilnahmebedingungen. Aber Papier ist bekanntlich geduldig – fast so sehr wie Autoblech.

Einige der Rennmaschinen waren von einer Straßenzulassung fast so weit entfernt wie der Mond von der Erde. Der Besitzer eines knallgelben Saab hatte beispielsweise nicht nur einen lebensgroßen Plüsch-Gorilla auf seien Dachgepäckträger geschnallt (siehe Foto), sondern die Front des Schweden gleich auch noch mit einem selbst zusammengeschweißten Rammschutz ausgerüstet. Die Konstruktion hat weder Zulassung noch TÜV, würde bei jedem Prüfingenieur zwangsläufig Schnappatmung auslösen und dann die Stilllegung des Vehikels.

Die Polizei zog den Wagen aus dem Verkehr, genauso wie zwei weitere Umbauten. Die Fahrer mussten auf andere Autos umsteigen. "Insgesamt wurden 16 Fahrzeuge beanstandet", sagt Polizeisprecher Oliver Timper. Die Rallye-Piloten griffen daraufhin zum Werkzeugkasten, um die schlimmsten Anbauten zu demontieren. Die Fahrer, allesamt Holländer im Alter zwischen 22 und 64 Jahren, mussten noch vor dem Start jeweils 250 Euro Bußgeld bezahlen.

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