Mit Mickey Maus im Kernspin München: Im Herzzentrum wird die MRT-Röhre jetzt zum Kinosaal

Leon (10) bekommt von Radiologie-Assistent Konstantin Michailidis vor der Untersuchung die neue Kino-Brille – und am Ende die Diagnose: Alles ist okay mit seinem Herzen. Foto: Deutsches Herzzentrum München

Im Deutschen Herzzentrum an der Lazarettstraße können Kinder jetzt während der MRT-Untersuchung Disney-Filme schauen.

 

München - Aus der monströsen Röhre schauen nur zwei pinkbesockte Füßchen raus. Anna liegt darin ganz still und schaut "König der Löwen", während der Kernspin-Tomograph Bilder von ihrem Herzen macht.

Mit VR-Brille und Kopfhörer in die Röhre

Seit zwei Wochen gibt es den Kino-Kernspin im Deutschen Herzzentrum an der Lazarettstraße. Die kleinen Patienten, die hier zur Untersuchung in den MRT müssen, bekommen eine spezielle Virtual-Reality-Brille und Kopfhörer aufgesetzt und werden so während der langen Prozedur in der engen Röhre abgelenkt und beruhigt. Wie auf einer rund drei Meter entfernten Kino-Leinwand erscheinen die Bilder von Cinderella, Dumbo, Elsa und Mickey Maus.

Bei der Untersuchung ist es wichtig, stillzuliegen – an sich schon eine Herausforderung für Kinder. Eng und dunkel ist es normalerweise im Kernspin, die Kinder könnten Mama oder Papa nur sehen, wenn sie den Kopf nach hinten strecken. Noch dazu dauert die Untersuchung am Herzen besonders lang – rund 40 bis 60 Minuten – denn das Herz bewegt sich natürlich weiter.

Kino-Kernspin im Herzzentrum

Neben dem Einfühlungsvermögen für ihre kleinen Patienten und Patientinnen, sieht das Team um Chefarzt Dr. Peter Ewert allerdings auch aus medizinischer Sicht einen enormen Nutzen in der Kino-Unterstützung. "Wenn die Kinder es nicht schaffen stillzuliegen, und das ist besonders für Unter-Fünfjährige schwierig, müssen sie sediert werden. Das ist aufwendiger und natürlich ein größerer Eingriff", erklärt Ewert.

Dem zehnjährigen Leon und der sieben Jahre alten Hanna steht heute die erste Untersuchung bevor. Was wollen sie sehen? "Woas no ned", sagt Anna. Leon hat sich den Animationsfilm "Chaos im Netz" ausgesucht. Er würde die Untersuchung auch so machen, sagt er – aber er ist schon froh, dass es das Kino gibt. Auch für seine aufgeregte Mama ist das ein Trost, als er in die Röhre muss.

Extra entwickelt: VR-Kinoset kostet 45.000 Euro

Brille und Kopfhörer sind speziell für den MRT entwickelt – denn in ihnen dürfen aufgrund der starken Magnetwirkung keine Metallteile verbaut sein. Etwa 45.000 Euro kostet das VR-Kinoset, ermöglicht wurde es durch eine Privatspende über den Förderverein. Disney stellt seine gesamte Filmsammlung für die Kinder zur Verfügung.

200 bis 250 Kinder werden jährlich im Deutschen Herzzentrum untersucht – künftig sollen sie keine Angst mehr haben – und kommen vielleicht sogar gern.

 

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