Mit Matthias Brandt Münchner ARD-Polizeiruf: So ist "Smoke on the Water"

Kritik zum Polizeiruf (ARD) "Smoke on the Water" mit Matthias Brandt: Unruhig inszeniert! Foto: BR/Julia von Vietinghoff

Der Polizeiruf aus München in der Kritik: Hauptkommissar von Meuffels ist einem Netz aus Intrigen, Korruption und Gewalt auf der Spur. Politiker, die unter dem Deckmantel der Staatsgewalt die Welt skrupellos nach ihrem Willen lenken.

 

München - Eine Journalistin stirbt. Angeblich war es ein Mord aus Eifersucht. In Wirklichkeit steckt aber mehr dahinter. Denn die Tote wusste zu viel - von Korruption, von millionenschweren Schwarzgeldkonten und von Einfluss an allerhöchster Stelle. Im Münchner Polizeiruf "Smoke on the water" folgt Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ihren Spuren und landet bei einem Unternehmen, das Satellitenleitsysteme für die Rüstungsindustrie entwickelt. Das Erste zeigt den Krimi des Regisseurs Dominik Graf am Sonntag um 20.15 Uhr.

Bald stellt von Meuffels fest: Alles dreht sich immer wieder um den aufstrebenden Politiker und Unternehmer Joachim von Cadenbach, der wegen seiner Kontakte zur Waffenindustrie von aufgebrachten, militanten Friedensaktivisten verfolgt und bedroht wird.

Vor allem die Freundin der Toten, Corry Hüsken (Judith Bohle), gibt keine Ruhe. Sie glaubt nicht, dass der erfolglose Musiker Mischa so lange auf ihre Lebensgefährtin eingedroschen hat, bis das Blut an die Decke spritzte. Stattdessen glaubt sie an Lügen und Intrigen, die die Sicht vernebeln wie dichter Rauch.

Gemeinsam mit von Meuffels will sie die Wahrheit herausfinden. Dabei wird es bald ziemlich brisant und vor allem gewalttätig. Polizisten treiben ein doppeltes Spiel: Ordnungshüter in staatlicher Uniform, die sich hinter weißen Masken verbergen und wie ferngesteuerte Racheengel wirken. Dazwischen Morddrohungen und wütende Friedenskämpfer - oder Ökoterroristen, wie von Cadenbach sie nennt.

Von Meuffels ist äußerst distanziert und gibt nichts von sich preis. Keine Spur von den Gefühlen wie in der vorangegangenen Folge, als er sich in eine Justizbeamtin verliebte. Der intimste Moment ist eine Szene, in sich von Meuffels und Corry ihre alten Wunden und Narben zeigen. "Ist es nicht seltsam, das Glück nie Spuren hinterlässt?" sinniert Corry.

Doch kurz darauf ist der Kommissar wieder preußisch zugeknöpft, wenn er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Er war an derselben Schule wie von Cadenbach, hervorragend gespielt von Ken Duken. Und überhaupt - der Adel hält zusammen, hofft zumindest der smarte Politiker mit Brille, feinem Anzug und zurückgegelten Haaren. Anklänge an Ex-Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg sind nicht zu übersehen.

Graf hatte daran offensichtlich großes Vergnügen und inszeniert von Cadenbach wie eine Art Popstar, der von Frauen umschwärmt wird bis hin zu höchst intimen Geständnissen. Seine Frau geht mit dem Casanovatum ihres Gatten gelassen um, auch was dessen hübsche Assistentin anbelangt, die viele Sprachen sprechen kann. "Leider kann sie in keiner davon nein sagen", so ihre trockene Antwort.

Der Krimi des Bayerischen Rundfunks (BR) ist unruhig inszeniert, schlaglichtartig blitzen eingefrorene Bilder auf - wie Fotos. Schade nur, dass der rote Faden der Geschichte ab und zu verloren geht zwischen Ökoterrorismus, politischen Machtspielen und persönlichen Eitelkeiten. Dafür wird deutlich, wie unheimlich die staatliche Macht werden kann, wenn sie von falscher Stelle aus gesteuert wird. Am Ende eskaliert alles in einem blutigen, brutalen Kammerspiel, in dem es kaum Gewinner gibt.

 

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