Mit Hammer erschlagen Walter Sedlmayr: Ein Opfer der Habgier

Walter Sedlmayr vor seiner Gastwirtschaft „Beim Sedlmayr“ in der Westenriederstraße. Foto: imago

Vor 25 Jahren wurde Walter Sedlmayr in seiner Wohnung in Schwabing mit einem Hammer erschlagen. Nach dem Mord erfuhren alle von seinen homosexuellen Neigungen. Die Täter versuchten damals, falsche Spuren ins Milieu zu legen.

 

München - Auf dem Moosacher Trachtenfest war es, als Josef Wilfling, damals Chef der Mordkommission, zufällig einen Kollegen traf und scherzte. „Stell dir vor, der Sedlmayr wird jetzt auch noch umgebracht“, sagte der Kriminaler vor dem Hintergrund einiger brutaler Morde in der Münchner Schwulenszene. Stunden später stand Wilfling tatsächlich in der Wohnung des TV-Stars in der Schwabinger Elisabethstraße. Walter Sedlmayr war mit einem Hammer hinterrücks im Bett erschlagen worden. Genau 25 Jahre ist das heute her. Sedlmayrs Ziehsohn und dessen Verwandter wurden später als Mörder verurteilt.

Walter Sedlmayr gilt bis heute als der Paradebayer schlechthin, als der Grantler mit dem großen Herzen. Er war der Bruder Barnabas, der den Großkopferten beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg scharfsinnig und spitzzüngig die Leviten las. Er war der kauzige Kommissar Franz Schöninger in der legendären TV-Serie „Polizeiinspektion 1“ (1977- 1988). Oder das glücklose Familienoberhaupt Josef Hartinger in der Fernsehserie „Der Millionenbauer“ (ab 1979). Nach dem Mord erfuhren alle von Sedlmayrs homosexuellen Neigungen. Davon, dass sich der Volksschauspieler heimlich mit Strichern traf. Gezielt versuchten damals die Täter, falsche Spuren ins Milieu zu legen. Sie deponierten sogar eine Peitsche an Sedlmayrs Bett. „Das passte nicht zu ihm“, erzählte Josef Wilfling später, „die Stricher, die wir befragten, erzählten allesamt, dass Sedlmayr nicht auf brutalen Sex stand.“ Nur einer versuchte bei den Befragungen durch die Mordkommission immer wieder, den Verdacht in diese Richtung zu lenken: Sedlmayrs Ziehsohn, ein Gastronom, Ende 30. Er wurde bald zum Hauptverdächtigen.

Doch es gab noch mehr, was Josef Wilfling und seine 50 Kollegen in der Soko Sedlmayr misstrauisch machte: Im Alibi des Ziehsohns klaffte eine Lücke von fast einer Stunde. Ein Hochzeitsvideo aus seiner Gaststätte bewies zweifelsfrei, dass der Gastwirt das Fest viel früher verlassen hatte, als er behauptete. Genug Zeit, um nach Schwabing zu fahren und einen Mord zu begehen.

Auch beim Alibi seines Verwandten stießen die Ermittler auf Widersprüche. Darüber hinaus wurden an ihrer Kleidung Faserspuren aus einem am Tatort geplünderten Münzkoffer gefunden und auch Fingerabdrücke, die eindeutig beweisen, dass die Verdächtigen unmittelbar vor dem Mord am Tatort in der Wohnung waren.

Der Ziehsohn und sein Verwandter (ihre Namen dürfen nach richterlicher Entscheidung aus Gründen der Resozialisierung nicht mehr veröffentlicht werden) behaupteten dagegen immer, sie hätten Sedlmayrs Wohnung Wochen zuvor nicht mehr betreten.

Als die Tatwaffe, ein Schmiedehammer, den Verdächtigen zugeordnet werden konnte, saßen sie endgültig in der Falle. Motiv: Sedlmayr wollte seinen Ziehsohn nach einem Streit enterben. Für den Gastwirt wäre das der Ruin gewesen. Ein Jahr nach dem Mord erging Haftbefehl gegen die Tatverdächtigen. Es folgte ein spektakulärer Indizienprozess. Am 21. Mai 1993 verurteilte das Schwurgericht den Ziehsohn zu lebenslanger Haft. Außerdem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, was eine vorzeitige Begnadigung erschweren sollte. Sein Verwandter bekam ebenfalls Lebenslang.

Der Ziehsohn kam 2007 frei, sein Verwandter ein Jahr später. Beide beteuern bis heute ihre Unschuld. Josef Wilfling ist trotzdem sicher, dass er die Richtigen hinter Schloss und Riegel gebracht hat. „Sie haben beide ein Teilgeständnis abgelegt, später aber widerrufen“, erzählte der inzwischen pensionierte Kriminaloberrat. Dass die Sedlmayr-Mörder wieder frei kamen, trug der ehemalige Kripo-Chef damals mit Fassung: „Man darf nicht erwarten, dass Täter auf ewig eingesperrt bleiben.“

 

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