Mit 23 (!) schon viel durchgemacht Bayern-Ziel Timo Werner: Vier Ereignisse stählten den RB-Leipzig-Star

Wechselte 2016 vom VfB Stuttgart zu RB Leipzig: Timo Werner. Foto: dpa

Timo Werner wird als Neuzugang beim FC Bayern gehandelt. In jungen Jahren macht der Schwabe beim VfB Stuttgart schon einiges mit – und in der deutschen Nationalmannschaft. Doch: Der Stürmer ging gestärkt aus diesen Ereignissen hervor. Ein Überblick.

 

München - Es läuft bei Timo Werner – in den vergangenen sieben Ligaspielen erzielte der Stürmer von RB Leipzig fünf Tore und legte dabei noch fünf Treffer auf. Der Angreifer ist maßgeblich dafür mitverantwortlich, dass die Sachsen zwei Spieltage vor Schluss auf dem dritten Platz stehen und somit in der kommenden Saison in der Champions League spielen.

Timo Werner mit FC Bayern in Verbindung gebracht

Dann vielleicht aber ohne Werner, denn schon seit Monaten wird der 23-Jährige mit einem Wechsel zum FC Bayern in Verbindung gebracht. Sein Vertrag in Leipzig endet schließlich im Sommer 2020. Der Klub von Mehrheitseigner Red Bull könnte somit nur noch in der kommenden Sommer-Transferperiode eine hohe Ablöse einstreichen. Eine Einordnung: Das Fachportal "transfermarkt.de" schätzt Werners' Marktwert auf 65 Millionen Euro. Wie der "kicker" (Printausgabe) zuletzt schrieb, haben die Bayern ihn zum Transferziel Nummer eins erklärt.

RB-Trainer Ralf Rangnick ließ jetzt jedoch durchklingen, dass es möglicherweise doch erst 2020 zu einem Wechsel Werners nach München kommen könnte. Die Lage bleibt weiter höchst brisant – vor allem, weil beide Mannschaften in dieser Saison noch zweimal aufeinandertreffen. Erst steht das Liga-Spiel in Leipzig an, ehe es dann am 25. Mai im DFB-Pokal-Finale in Berlin um den Titel geht.

Timo Werner hatte Gerüche um FC Bayern befeuert

Der Stürmer selbst hatte Mitte Dezember nach der Niederlage von RB in München Gerüchte über einen möglichen Wechsel zum FC Bayern befeuert. "Wenn man bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, gibt es eigentlich nur einen Verein, zu dem man wechseln kann", sagte der Schwabe Werner seinerzeit. Ob er bereit wäre für den deutschen Rekordmeister?

Die AZ erklärt, welche vier Erlebnisse Werner in jungen Jahren als Profifußballer reifen ließen:

1. Beim VfB Stuttgart im Abstiegskampf ausgemustert

In der Saison 2014/15 gelang dem damals erst 18-Jährigen der Durchbruch in der Bundesliga. Der Cannstatter entwickelte sich beim VfB Stuttgart zum Stammspieler, schon seinerzeit wurde ihm eine große Karriere prophezeit. Doch dann kam der Einbruch.

Werner war eines der Gesichter der Talfahrt in der zweiten Saisonhälfte, als der VfB zwischenzeitlich aus elf Spielen nur einen Sieg holte und auf Platz 18 abstürzte. Interimscoach Huub Stevens führte die Schwaben zwar zum Klassenerhalt, verbannte aber Werner auf die Bank – der Youngster kam nur noch zu Kurzeinsätzen. Und blieb als Stürmer 20 (!) Bundesliga-Spiele in Folge ohne Tor. Im Jahr darauf folgte dann doch der Abstieg!

2. Von Fans des VfB Stuttgart beschimpft

Als Stuttgart Anfang August 2016 gegen St. Pauli schließlich in die Zweitliga-Saison startete, beschimpften VfB-Ultras Werner mit einer überdimensionalen Choreo. Auf einem riesigen Banner in der Cannstatter Kurve stand, gut leserlich für viele hunderttausende TV-Zuschauer: "Wer zu Red Bull wechselt ist kein VfBler, sondern ein charakterloses Arschloch!"

Werner war im Sommer zu RB Leipzig gewechselt, hatte dem VfB immerhin 14 Millionen Euro Ablöse eingebracht. Doch die Ultras interpretierten das Ziel seines Wechsels wohl als eine Art Verrat.

Das Commando Cannstatt, die größte Ultragruppierung der Schwaben, gab anschließend eine Erklärung ab, in der es hieß: "Auch in dieser Transferperiode gab es wieder einen Abgang zum Brauseklub zu verzeichnen. Mittlerweile sind wir, was Spielerwechsel angeht, Realisten geworden und durchaus in der Lage, einen Spielerabgang zu akzeptieren, sofern er denn ehrlich und fair über die Bühne geht. Wer sich allerdings für RB Leipzig entscheidet, entscheidet sich für einen anderen Fußball. Er macht sich zum Angestellten einer Marketingmaßnahme und muss sich deshalb aus unserer Sicht die Charakterfrage gefallen lassen."

Werner wurde angefeindet, obwohl er gar nicht mehr da war – und musste sich das ganze Spektakel aus der Ferne anschauen.

3. Timo Werner: Eine Nation redet über eine Schwalbe 

3. Dezember 2016, Gelsenkirchen, auf Schalke: Werner lässt sich beim Auswärtsspiel gegen die "Königsblauen" schon nach zwei Minuten im Strafraum fallen – die TV-Kameras zeigen: eine klare Schwalbe! Trotzdem zeigt Schiedsrichter Bastian Dankert auf den Punkt. Der nur vermeintlich Gefoulte verwandelt selbst – und zieht damit den Unmut vieler Fans in Fußball-Deutschland auf sich. 

"Ich würde es wirklich gern rückgängig machen. Weil es nicht richtig war", erklärte der Stürmer-Star später im Interview mit "Dein Spiegel", dem Kindermagazin des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Doch da hatte sich in der Bundesliga schon ein unrühmlicher Fansong verbreitet, in dem Werner - mal wieder - wüst beleidigt wird.

4. Timo Werner: Während Länderspiel beleidigt

Der peinliche Höhepunkt der Anfeindungen: Im Länderspiel Anfang September 2017 in der Tschechischen Republik kam es zum Eklat! Beim 2:1 in Prag skandierten angebliche Fans der deutschen Nationalmannschaft immer wieder – und gut hörbar: "Timo Werner ist ein Hurensohn!" Markant: Der Stürmer hatte sogar das 1:0 für Deutschland erzielt.

"Katastrophe!", sagte Mats Hummels vom FC Bayern damals und schimpfte: "Ganz schlimm! Es fing schon bei der Schweigeminute vor dem Spiel an, da war es schon ein schlechtes Verhalten von einigen. Dann wurde Timo Werner beleidigt, bepöbelt. Und dann fangen sie an, diesen Scheiß zu rufen. Davon distanzieren wir uns komplett. Damit wollen wir nichts zu tun haben."

Drei Tage später feierten Tausende Anhänger Werner dagegen beim 6:0 gegen Norwegen in dessen Heimatstadt Stuttgart mit Sprechchören.

Werner wirkt trotz (oder gerade wegen) all dieser Erlebnisse gefestigt und selbstbewusst. Und könnte damit genau der richtige Spieler für den FC Bayern sein.

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