"Mir ist das Blut stehengeblieben" Neuhauser Bluttat: Vater redet über Todestag seiner ermordeten Tochter

Der Angeklagte Lion K. Foto: Sven Hoppe/dpa

Prozess im Fall der Neuhauser Bluttat: Der Vater von Francesca (25) redet über den Tag, als seine Tochter vom Freund ihrer Schwester ermordet wurde.

 

München - "Ein Freund rief mich an und fragte, ob bei mir alles in Ordnung sei." Im Radio sei gesagt worden, dass etwas in der Jutastraße los sein soll. So beginnt Paolo F. (60, Namen der Opfer geändert) am Montag im Mordprozess gegen Lion K. (21) die Schilderung des Moments, als er vom Tod seiner ältesten Tochter Francesca (25) erfuhr.

Der 60-Jährige war gerade beim Rasenmähen im Schrebergarten der Familie. Er habe nach dem Anruf des Freundes versucht, seine Familie zu erreichen, aber weder sein Sohn, seine Frau noch eine der drei Töchter ging ans Handy. Paolo F. war beunruhigt. Er suchte die Nummer eines Nachbarn heraus und rief diesen an. Der erzählte, dass Polizei im Haus sei.

Als ein Polizist das bemerkte und fragte, wer denn da gerade anrufe, hörte Paolo F. das mit. "Als der Polizist dann meinen Namen sagte, ist mir das Blut stehengeblieben." Im Gerichtssaal wird es sehr, sehr still. Die Erinnerung treibt Francescas Vater auch anderthalb Jahre nach dem 15. Juni 2018 die Tränen in die Augen. Er fasst sich und erzählt weiter.

Tochter habe ihm nichts von Gewalttaten seines "zweiten Sohnes" erzählt

Ihm sei in diesem Moment klargeworden, dass etwas Schreckliches mit seiner Familie passiert sein musste. Er eilte in die Jutastraße und erfuhr dort, dass Sohn und Frau schwer verletzt im Krankenhaus lägen und eine Tochter tot sei. Als auch die zweite Tochter dazugekommen sei, habe er gewusst, dass es sich um Francesca handeln musste. "Dass ein Kind mit 25 sterben muss", kann er immer noch nicht fassen.

Paolo F. hält sich für einen guten Menschenkenner. Aber Lion K. habe ihn "an der Nase herumgeführt". "Er war wie ein zweiter Sohn", sagt der 60-Jährige gestern. Ein ruhiger, netter Typ, der herzlich von der Familie aufgenommen wurde.

Ob er seiner Tochter, die mit Lion K. eine Beziehung hatte, von dessen Gewalttätigkeiten aber ihm gegenüber geschwiegen hatte, nun Vorwürfe mache, will der Vorsitzende Richter Stephan Kirchinger wissen. "Ich habe mir selbst Vorwürfe gemacht, dass ich nicht da gewesen bin" – um seine Familie zu schützen. Aber ja, "es hat mich geärgert, dass sie nicht zu mir gekommen ist". Um ihm von den gewalttätigen Übergriffen ihres Freundes zu berichten.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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