Millionenraub während Rolex-Krise Juwelier-Insider packt aus: "Die Branche lacht über die Räuber"

Recht provisorisch: Die Eingangstür des Juweliers in der Residenzstraße am Dienstag. Foto: rah

Nach dem Diebstahl bei Bucherer: Experten lachen über den Millionenraub in München – in der AZ sagt ein Juwelier-Insider, warum.

 

München - Es klingt nach einem filmreifen Krimi – und viel Geld: Der Einbruch bei Juwelier Bucherer am Montagmorgen in der Residenzstraße, bei dem vier maskierte Männer mit einem Audi in den Eingangsbereich bretterten und in weniger als fünf Minuten Uhren und Schmuck im Wert von mehr als einer Million Euro erbeuteten, sorgt für viel Gesprächsstoff. Auch in der Juwelier-Branche.

Doch wer sich auskennt, weiß, dass der Millionenraub in Wahrheit gar nicht Millionen bringt. Im Gegenteil: Ein Uhren- und Schmuck-Experte, der namentlich lieber nicht genannt werden will, sagt zur AZ: "Ein Einbruch ohne Rolex ist sinnlos. Aufgrund der Rolex-Krise werden sie keine Rolex-Uhren erbeutet haben. Rolex gibt es momentan nicht zu kaufen – und auch nicht zu klauen."

Diebe klauen Luxus-Uhren ohne Papiere

Warum war der Einbruch sinnlos? Der Insider weiter: "Bei gestohlenen Uhren, ob Omega oder Hublot, geht es natürlich um den Wiederverkauf. Und der bringt ohne Papiere so gut wie gar nichts, denn jeder Käufer weiß, dass es sich um Diebesware handelt. Bei Rolex ist die Wiederverkaufssumme aufgrund des weltweiten Hypes so riesig, dass Käufer auch ohne die entsprechenden Papiere wissen, dass sie die Rolex-Uhren für viel Geld verkaufen können. Sie nehmen es im wahrsten Sinne in Kauf, die Diebesware auch ohne Papiere zu kaufen. Der Gewinn ist zu verlockend, bei den anderen Uhren ist das Risiko zu hoch."

Jede Uhr, ob von Rolex oder einen anderen Marke, hat eine Nummer und ein Papier mit Garantie und Qualitätszertifikat. "Die entsprechenden Papiere dürften auch bei Bucherer im Tresor liegen, dafür hatten die Diebe keine Zeit", so der Experte weiter.

Hoher Versicherungssumme für Bucherer

Die Juwelier-Branche ist sicher: Von der geklauten Ware im Wert von über einer Million Euro werden den vier Dieben nur 100 000 Euro bis 150 000 Euro bleiben. "Schmuck dürften sie kaum erbeutet haben, denn auch der befindet sich nicht im Erdgeschoss."

Waren die Räuber also nicht die hellsten? Der Insider: "Die Branche lacht über die vier Räuber. Auch der Zeitpunkt ist denkbar schlecht, Mitte März hätte es sich mehr gelohnt. Momentan sind viele Juweliere wie leergefegt, schon vor einem Einbruch. Der einzige Gewinner des Millionenraubs ist, wenn man so will, der Juwelier. Bucherer kann mit einer Versicherungssumme von bis zu drei Millionen Euro rechnen."

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