Milliarden-Defizite der Kassen Und wieder trifft es die Versicherten

Ein Hausarzt-Besuch wird immer teurer. Patienten bekommen das über steigende Beiträge zu spüren. Foto: dpa

Bis zum Jahr 2020 sollen die Zusatzbeiträge für alle Arbeitnehmer um fast zwei Prozent steigen. Schuld an den großen Finanzlöchern sind unter anderem die steigenden Kosten für Medikamente.

 

Unsere Gesundheit ist ein teures Gut – im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem die gesetzlichen Krankenkassen im vergangenen Jahr erneut ein Minus von mehr als einer Milliarde Euro eingefahren haben, drehen sie weiter an der Beitragsschraube. Die sogenannten Zusatzbeiträge, die alleine die Versicherten zu tragen haben, werden wohl auch in den nächsten Jahren steigen.

Die Wirtschaft brummt, die Zahl der Beschäftigten steigt und steigt. Müssten die Krankenkassen da nicht im Geld schwimmen? Theoretisch ja, praktisch nein. Zwar sind die Einnahmen der Kassen im Geschäftsjahr 2015 von 204 auf gut 212 Milliarden Euro geklettert – ihre Ausgaben allerdings addierten sich gleichzeitig auf mehr als 213 Milliarden Euro. Am stärksten gestiegen sind dabei die Kosten für Arzthonorare und Arzneimittel. So gaben die Kassen alleine für neu zugelassene Medikamente zur Behandlung von Hepatitis B rund 700 Millionen Euro mehr aus als ein Jahr zuvor.

Bereits zum Jahreswechsel haben viele Kassen den so genannten Zusatzbeitrag erhöht. Wie weit soll er denn noch steigen? Im Moment liegt er durchschnittlich bei 1,1 Prozentpunkten – das ist der Aufschlag auf die Kassenbeiträge, den die Versicherten alleine zu tragen haben. Den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Alles, was darüber hinaus geht, holt sich die Kasse bei ihren Mitgliedern. Doris Pfeiffer, die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kassen (GKV), hat ihre Mitarbeiter bereits rechnen lassen: Danach dürfte der Zusatzbeitrag bis zum Jahr 2020 auf durchschnittlich 1,8 Prozent steigen. Bei einem Bruttoeinkommen von 3000 Euro wären das dann zusätzliche Kosten von 21 Euro pro Monat.

Die Tabelle zeigt, wie viel mehr ein gesetzlich versicherter Arbeitnehmer im Jahr 2020 pro Monat zahlen müsste, sollte die Erhöhung in diesem Maße tatsächlich eintreten.

Angeblich sitzen die Kassen auf hohen Reserven. Warum steigen die Beiträge trotzdem? Insgesamt hatten die Kassen Ende vergangenen Jahres 14,5 Milliarden Euro auf der hohen Kante, dazu kommen zehn Milliarden Euro im so genannten Gesundheitsfonds, der die Beiträge der Versicherten und den staatlichen Steuerzuschuss an die einzelnen Kassen verteilt. Abgesehen davon, dass sie gesetzlich verpflichtet sind, Rücklagen zu bilden: Auch die Reserven sind geschmolzen, alleine im Jahr 2015 um rund fünf Milliarden Euro.

Einige Kassen haben ihren Notgroschen benutzt, um ihre Zusatzbeiträge niedrig zu halten und sich so einen Vorteil im Wettbewerb mit den anderen Versicherungen zu verschaffen. Auf Dauer allerdings kann es sich keine Kasse leisten, ihren Beitragssatz aus den Rücklagen quer zu subventionieren. Außerdem bekommen auch die Krankenkassen inzwischen die Folgen der gegenwärtigen Niedrigzinspolitik zu spüren: Weil sich auf den Konten des Gesundheitsfonds nach dem Einzug der Beiträge kurzfristig hohe Summen ansammeln, verlangen die Banken inzwischen Strafzinsen. Im vergangenen Jahr waren das bereits 1,8 Millionen Euro.

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Wirtschaften die privaten Kassen eigentlich besser? Sie werben ja mit niedrigeren Beiträgen. Im Moment haben die Privaten sogar die größeren Probleme. Die DKV, einer der größten Anbieter am Markt, hat gerade erst Beitragserhöhungen von durchschnittlich knapp acht Prozent angekündigt. Auch die privaten Kassen mit ihren insgesamt knapp neun Millionen Vollversicherten haben mit steigenden Kosten und den stark gesunkenen Zinserträgen für ihre milliardenschweren Rücklagen zu kämpfen, dazu kommt das stark nachlassende Neugeschäft. Im extremsten Fall steigt der Beitrag bei der DKV am 1. April um 130 Euro im Monat. Über alle Anbieter hinweg erwartet der Branchendienst Map-Report für dieses Jahr einen Anstieg der Beiträge um durchschnittlich 4,1 Prozent. 

 

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