Mietpreise So teuer wohnen die Münchner

Hohe Lebensqualität, hohe Mieten - das ist München. Foto: Martha Schlüter

Keine guten Nachrichten für die Münchner. Die Stadt boomt und Wohnraum wird immer knapper. Um bis zu zehn Prozent stiegen die Preise im vergangenen Jahr - ein Ende ist nicht in Sicht.

 

MÜNCHEN Grundstücke, Wohnungen und Mieten: Sie klettern in München in immer neue astronomische Höhen. Es gibt für die steigende Nachfrage zu wenig Grundstücke und zu wenig Wohnungen. Das Luxussegment boomt. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Inzwischen hat es sogar der Mittelstand zunehmend schwerer, eine bezahlbare Wohnung zu finden, schreibt Stadtbaurätin Elisabeth Merk in einem Bericht über den aktuellen Wohnungsmarkt.

Am Mittwoch führt der Stadtrat deshalb eine große Wohnungsbau-Debatte. Dabei legt Stadtbaurätin Elisabeth Merk im Wohnungsbarometer deprimierende Zahlen vor: Wie die Mieten allein in einem Jahr wieder auf neue Rekordmarken gestiegen sind.

Die Schere zwischen Einkommen und Miete ist schon so groß, dass schon mehr als 50 Prozent der Münchner Haushalte unter die Fördergrenzen fallen – von der Sozialwohnung bis zum München-Modell. Für die Untersuchung hat das Planungsreferat Experten befragt und Zeitungsanzeigen ausgewertet.

 

Nicht nur die Preise für Eigentumswohnungen explodieren (AZ berichtete), auch die Mieten heben astronomisch ab. Das Wohnungsmarktbarometer des Planungsreferats zeigt „deutliche Mieterhöhungen” an: „Nach einer kurzen Verschnaufpause 2010 stiegen die Erstbezugs- und Wiedervermietungsmieten wieder an. Der Erstbezug kletterten in der Spitze im Durchschnitt um ein bis zwei Euro je Quadratmeter auf die Rekordsumme von 14,39 Euro (2010: 13,22 Euro).

Die Miete für gebrauchte Wohnungen stieg um 0,50 bis 1,30 Euro von durchschnittlich 12,11 auf 12,64 Euro – kalt. Am meisten haben sich prozentual die Objekte mit sehr gutem Wohnwert verteuert. Im Luxussegment liegen die Preise inzwischen „mehr als 70 Prozent über den Mieten für einfachen Wohnwert” in München, so die städtische Studie.

Für ihr eigenes Wohnungsmarktbarometer wertet das Planungsreferat die Anzeigen in der Süddeutschen Zeitung aus. Da stellen sie fest: Der Preisanstieg bei Erstvermietungen gegenüber dem Vorjahr komme vor allem „von der hohen Anzahl an großen und sehr gut ausgestatten Wohnungen über 100 Quadratmetern”. Plus zehn Prozent.

Bei den Wiedervermietungen stiegen die Preise um durchschnittlich 54 Cent (plus 4,4 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem: Mit durchschnittlich 12,64 Euro kalt ein neuer Höchstrekord. Dabei klaffen die Mieten je nach Stadtteil erheblich auseinander.

Die Basis für die horrend hohen Mieten in München sind die steigenden Kosten für Wohneigentum, so die Statistiker des Planungsreferats: In München stiegen sie um zehn Prozent gegenüber 2009, in Paris um 15 Prozent, London zehn Prozent und Berlin um sieben Prozent. Manche Grundstücke wurden für bis zu 70 Prozent über dem Schätzwert verkauft. Elisabeth Merk:

„Im direkten Preisvergleich ist München innerhalb Deutschlands weiterhin die teuerste Stadt, und trotz der durchschnittlich hohen Einkommen ist Wohneigentum für viele Haushalte nur schwer bezahlbar.” Bei einem Kaufpreis von rund 4500 Euro pro Quadratmeter sei das auch „nicht verwunderlich”.

 München ist die teuerste Miet-Stadt Deutschlands: Die Landeshauptstadt sei eben gestärkt aus der Krise hervorgegangen, was noch mehr Erwerbstätige angelockt und die Mieten auf dem ohnehin überhitzten Markt weiter angefacht habe. Und der Zuzug hält unvermindert an.

Die Stadt München müsse also ihr Wohnungsbauprogramm „dringend ausbauen”, so die Stadtbaurätin: „Um die soziale Stabilität und die Münchner Mischung zu wahren. Ohne weiteren geförderten Wohnungsbau wird der Markt der preiswerten Wohnungen weiter dramatisch schrumpfen.” Wie das gehen soll, wird der Stadtrat am Mittwoch entscheiden.

 

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