Messeherbst der Kunst Am Donnerstag startet die Artmuc auf der Praterinsel

Markus Philipp thematisiert in seinem Ölgemälde "China meets China" Tradition und Moderne des Riesenreichs. Foto: Artmuc

Auf der Praterinsel und am Deutschen Museum frischt die Artmuc ab Donnerstag den Münchner Messeherbst der Kunst auf.

 

München - Ein bisschen vorglühen kann nicht schaden, dachte sich Raiko Schwalbe. Im teuren München hat das unter den jüngeren Partygängern sowieso Tradition. Wobei der Ausstellungsmacher weniger auf Prozentiges, als auf Licht und Farbe setzt. An zwei ausgedehnten Wochenenden brachte er die alte Designhochschule an der Schwabinger Infanteriestraße zum Leuchten. 

Das hätte gerne so weitergehen dürfen, die Künstler, die in "The Hub" ihr Medienlabor aufschlagen konnten, wären um weitere Ideen nicht verlegen. In absehbarer Zeit rücken allerdings die Abrissbirnen an, und wenigstens darf sich die Stadt auf neuen Wohnraum freuen – vermutlich zu den üblichen Wer-ko-der-ko-Preisen.

Artmuc findet während Super-Kunstwoche statt

Dafür geht es an anderer, bewährter Stelle mit der Kunst weiter. Die "Artmuc", Süddeutschlands größtes Kunstevent, wird am Donnerstag wieder auf der Praterinsel und im Isarforum am Deutschen Museum eröffnet.

An den gerade mal vier Tagen zwischen "The Hub" und der "Artmuc" kommt Schwalbe gar nicht erst zum Durchatmen, doch das kann er leicht verschmerzen: Zum ersten Mal findet die Messe während der Münchner Super-Kunstwoche statt. Also parallel zur traditionellen "Kunst & Antiquitäten" – neuerdings im Haus der Kunst –, zu den eher hochpreisigen "Highlights" (ab Mittwoch) in der Residenz und den "Paper Positions" (ab Donnerstag) in der Reithalle. Schwalbe hat lange auf diesen "Synergie"-Termin hingearbeitet, entsprechend ambitioniert ist das Programm auf der jungen Entdecker-Messe.

Über 130 Künstler und 20 Galerien

Über 130 Künstler und 20 Galerien sind an den beiden Standorten vertreten. Und die kommen neben der Tatsache, dass sie Malerei, Fotografie, Objekte, Grafik, Streetart oder Videos präsentieren, auch ausgiebig zu Wort. Der Sonntag ist Künstlergesprächen und Debatten gewidmet. Vor allem aber gibt es Sonderausstellungen: Gemeinsam mit dem städtischen Whitebox-Projekt aus dem Werksviertel werden im Atelierhaus auf der Praterinsel neue Arbeiten aus den Bereichen Virtual Reality, Video und Animation gezeigt.

Dazu kommt Textilkunst, die aus der Nische heraus zum Trend geworden ist. Man denke an Cosima von Bonin mit ihren herrlich subversiven Stofftieren, Rosemarie Trockel, Yayoi Kusama, die alles mit Punkten übersät, oder – endlich ein Mann – Alighiero Boetti mit seinen gestickten Weltkarten und Buchstabenbildern. Auf der "Artmuc" breiten die Österreicherinnen Beate von Harten und Heide Proksch sowie Florian Nörl aus Regensburg ein interessantes Spektrum aus, das von modernen abstrakten Tapisserien bis hin zu ganz neuen Formen reicht wie etwa Steinstrukturen aus textilem Material. Es muss eben nicht immer gewebte Flachware sein.

Kunst soll sich jeder leisten können

Die Messe gehört den aufstrebenden Künstlern, dennoch setzt man auch auf ein paar bekannte Namen. Die Wahl fiel diesmal auf den vor einem Jahr verstorbenen Pop-Art-Vertranen Mel Ramos, der mit Pin-Up-Girls bekannt wurde, die sich auf riesigen Bananen und Colaflaschen räkeln. Bei aller Ironie, mit der Ramos die Werbung persifliert, sind die barbusigen, wenngleich selbstbewussten Mädchen freilich Geschmackssache. Zu sehen sind übrigens Emaillen, die der kalifornische Meister kurz vor dem Tod signiert hat. Die kleinen bunten Tafeln liegen zwischen 3.000 und 9.000 Euro und damit partiell noch im Rahmen der "Artmuc"-üblichen Preise von 500 bis 5.000 Euro.

Wie überall gibt es Ausreißer nach oben, für Günther Uecker zum Beispiel muss man schon eine sechsstellige Summe hinblättern.

Doch Kunst soll sich jeder leisten können, auch die ganz jungen Sammler – so lautet bis heute eines der Grundprinzipien dieser nach wie vor frischen, frechen Verkaufsplattform.

Lesen Sie hier: Helge Achenbach denkt an Kunstmarkt-Comeback

 

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