Menschenkette "Hand in Hand" "Die Guten sind die Mehrheit"

, aktualisiert am 19.06.2016 - 17:44 Uhr
Die Bilder von der Münchner Menschenkette gegen Rassismus. Foto: Daniel von Loeper

6000 Münchner setzen ein Zeichen gegen Rassismus. Und lassen sich weder vom Regen noch von Nazis stören.

Über München ist der Himmel am Sonntag – wie so oft in den vergangenen Tagen – grau. Doch das macht nichts, denn am Stachus verleihen bunte Regenschirme dem Stadtbild Farbe. Das ist durchaus symbolisch zu verstehen. Die Münchner zeigen, dass sie keinen Rassismus tolerieren, getreu dem Motto: München ist bunt. Und zwar tausendfach.

Mehr als 5500 Menschen sind Polizeiangaben zufolge zur Münchner Kundgebung der bundesweiten Menschenkette „Hand in Hand“ zusammengekommen. Vermutlich waren es sogar mehr, denn etwa bei der Hälfte des Programms ertönt plötzlich Trommelmusik: Die Gewerkschaften, KPD und Antifa stoßen in einem großen Zug zu der Veranstaltung hinzu. Die Bürgerbewegung „Campact“ berichtet später von insgesamt 6000 Teilnehmern.

Doch Zahlen beiseite, fest steht: Der Stachus ist gegen 13 Uhr so voll, dass alle dicht gedrängt bis auf die Sonnenstraße stehen. „Im Laufe der Zeit wurden es immer mehr Menschen“, sagt Grünen-Stadtrat Dominik Krause, der die Kundgebung angemeldet hat. Die Menschenkette verläuft schließlich als geschlossener Ring vom Promenadenplatz über Färbergraben und Sendlinger Tor zurück ins Kreuzviertel. So werden Sankt-Michaels-Kirche, die israelitische Kultusgemeinde und das Münchner Forum für Islam verbunden, als Zeichen für eine tolerante Gesellschaft."

Claudia Roth: "Heute ist der Tag, an dem das bunte, herzenswarme Deutschland Gesicht zeigt"

Als prominente Unterstützer der Aktion haben sich die Initiatoren die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne), LGBT-Aktivisten, Vertreter von Gewerkschaften, Kirchen sowie Künstler mit in die Kette geholt. Etwa 30 Gruppen unterstützen allein in München die Aktion, die zeitgleich in Hamburg, Berlin und Leipzig stattfand. Zentrales Thema ist der zunehmende Extremismus aus der rechten Szene. „Heute ist der Tag, an dem das bunte, herzenswarme Deutschland Gesicht zeigt. Wir finden uns nicht damit ab, dass die Pegidas und die Gaulands unsere Demokratie kaputtmachen“, sagt Claudia Roth. Der DGB-Chef Mathias Jena pflichtet ihr bei: „Die Guten sind die Mehrheit.“

Dass Aktionen wie diese ihre Berechtigung haben, zeigt sich während der Sprechbeiträge. Einige Neonazis mischen sich unter die Demonstranten. Sie werden von der Polizei vom Platz gebracht. Spätestens als der Syrische Friedenschor Beethovens 9. Sinfonie, bekannt als Ode an die Freude, anstimmt, sind störende Rechte, strömender Regen und der Hass vergessen.