Memmingen Mutter getötet – mit Abflussreiniger im Tee

Der Sohn (42) war mit der Pflege seiner Mutter (65) überfordert. Er tötete sie mit Abflussreiniger: „Ich wollte, dass sie ruhig ist“. Nun bekommt er lebenslänglich. Foto: dpa

Der Sohn (42) war mit der Pflege seiner Mutter (65) überfordert. Er tötete sie mit Abflussreiniger: „Ich wollte, dass sie ruhig ist“. Nun bekommt er lebenslänglich.

 

MEMMINGEN - Abflussreiniger im Tee: Mit einem Geständnis hat in Memmingen der Prozess um den tödlichen Giftanschlag eines Mannes auf seine 65 Jahre alte Mutter begonnen. Der 42-Jährige gab am Mittwoch vor dem Landgericht zu, der pflegebedürftigen Frau vor knapp zehn Monaten das Putzmittel in den Tee gemischt zu haben. Die Frau erlitt schwerste Verätzungen, an denen sie knapp zwei Monate später im Krankenhaus starb.

„Mir tut es leid, ich wollte es nicht“, sagte der Angeklagte unter Tränen zum Prozessbeginn. Da sein Vater wegen einer Verletzung am Fuß für längere Zeit im Krankenhaus war, habe er seine Mutter fast zwei Monate lang allein zu Hause gepflegt. Nachts sei er mehrmals aufgestanden, um sie auf die Toilette zu bringen. Sie habe oft geweint, gejammert und geschrien. Der Angeklagte sagte: „Mir war das alles zu viel. Man kann sich nicht vorstellen, was das für eine Belastung ist.“

Am 8. April 2011 sei er morgens spontan auf die Idee mit dem Abflussreiniger gekommen. „Ich wollte sie nicht umbringen. Ich wollte nur, dass sie ruhig ist.“ Nach der Tat blieb der Sohn noch etwa zwei Stunden in der Wohnung und ließ seine Mutter dann allein. „Er verließ das Haus, um ihr nicht beim Sterben zusehen zu müssen“, hielt ihm die Staatsanwältin vor. Weitere fünf Stunden später fuhr der heute 42-Jährige mit dem Fahrrad zur Polizei und zeigte sich selbst an. Die Staatsanwaltschaft hat eine lebenslange Haftstrafe für den angeklagten Sohn gefordert.

„Er hat einen heimtückischen Mord begangen“, sagte die Staatsanwältin am Mittwochnachmittag. Nach ihrer Überzeugung trug sich der 42-Jährige bereits mehrere Tage vor der Tat mit dem Gedanken, seine Mutter zu töten. Er sei frustriert gewesen, habe keine Arbeit, keine Beziehung, kein eigenes Leben gehabt. Die Pflege seiner Mutter habe für ihn sicher eine gewisse Situation der Überforderung dargestellt.

„Aber es war keine ausweglose Situation.“ Am Mittwoch ist er zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

 

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