Meister-Pleite im letzten Karrierespiel EHC-Kapitän Michael Wolf wird von den Gegnern gefeiert

Emotionale Momente: Michael Wolf verabschiedet sich von der Eishockey-Bühne Foto: KUNZ/Augenklick

Die Finalniederlage in Mannheim ist das letzte Spiel in der Karriere von EHC-Kapitän Michael Wolf – selbst die Gegner feiern ihn. "Sehr emotional" sei der Abschied gewesen, so der Münchner Leidwolf.

 

München - Da stand er also in all seinem silbernen Glanz: der Meister-Pokal. Auf der einen Seite davor die Adler Mannheim, die neuen - und verdienten - DEL-Meister, die es kaum erwarten konnten, das Objekt der Eishackler-Begierde endlich wieder in die muskelbepackten Arme schließen zu können.

Auf der anderen Seite der EHC Red Bull München, die Augen mit Trennungsschmerz erfüllt. Schließlich war die dreijährige Liebesbeziehung mit dem Pokal durch die 4:5-Niederlage nach Verlängerung in Spiel fünf der Finalserie abrupt zu Ende gegangen und nun sollten sie mit anschauen, wie sich die Angebetete wieder in fremde Hände begab.

Doch alle mussten warten. Warten auf einen, dessen Eishacklerzeit mit dem Overtime-Treffer von Mannheims Thomas Larkin abgelaufen war. Es galt einen zu ehren, dem Ehrungen, dem Aufmerksamkeit um seine Person zuwider sind. Doch wenn einer der Größten seiner Zunft abtritt, dann verneigen sich sogar die Gegner – und deren Fans. Die Rede ist natürlich von Michael Wolf, dem Kapitän des EHC, der Anfang des Jahres verkündet hatte, dass er mit seinen 38 Jahren am Ende der Saison seine illustre Karriere beenden würde.

Jackson über Wolf: "Immer das ultimative Vorbild für alle"

Der Stadionsprecher in der Mannheimer Arena fand vor der Pokalübergabe warme Worte für den gegnerischen Anführer, die 13.600 Anhänger feierten Wolf mit Ovationen, alle Spieler klopften mit ihren Schlägern aufs Eis – die Eishockeyvariante des Kniefalls. Wolf wendete den Blick ab, winkte aber doch kurz. "Es war mir zwar fast unangenehm. Aber trotzdem vielen Dank dafür, das war nicht selbstverständlich und für mich sehr emotional."

Immerhin gewann er dieses Mal den öffentlichen Kampf gegen die Tränen. Beim letzten Heimspiel der Hauptrunde hatten die Red Bulls Wolf mit einer emotionalen Dahoam-Verabschiedung überrascht und so den Tränen-Wasserhahn angeworfen. "Wir haben verloren, daher bin ich natürlich sehr traurig, Aber Mannheim ist verdienter Meister", sagte der Leitwolf, der angesichts des verhinderten vierten Titelgewinns in Serie zum Leidwolf mutiert war.

14 Jahre DEL, 782 Spiele, 337 Tore, 321 Vorlagen, drei Meistertitel, zudem mit 104 Treffern der beste Torjäger der Red-Bulls-Geschichte. Dazu 152 Einsätze für Deutschland, in denen er 53 Tore erzielte und zeitweise Kapitän war. Wolf war ein Phänomen on Ice. "Er ist definitiv einer der besten Eishockeyspieler, den Deutschland jemals hervorgebracht hat", sagte einer, der selber in diese Gattung fällt - Didi Hegen - der AZ.

"Ich bin stolz, dass ich Wolf einen Teil seiner Karriere begleiten durfte und dass ich hier bei seinem letzten Spiel dabei sein durfte", sagte Münchens Coach Don Jackson, "man kann sich keinen besseren Spieler, Kapitän und Menschen wünschen. Er war immer das ultimative Vorbild für alle. Es gab keinen Tag, an dem er nicht alles gegeben hat. Am bemerkenswertesten ist, dass er sich immer noch weiter verbessert hat." Und Co-Trainer Matt McIlvane meinte: "Michi ist der selbstloseste Eishockey-Profi, dem ich je begegnet bin."

Michael Wolf: Das war das Highlight seiner Karriere

2014 war Wolf von Iserlohn nach München gewechselt. Er wollte seine Karriere nicht beenden, ohne ein Mal Meister zu sein. 2016 war es dann soweit. Und 2017 – und 2018. "Nichts wird je an das Gefühl deines ersten Meistertitels rankommen. Dieser Moment, als wir 2016 in Wolfsburg erstmals den Pokal in den Händen hielten, war für mich einer der allergrößten Höhepunkte", sagte Wolf.

Auch die Kontrahenten zollten Wolf größten Respekt. "Michi war immer ein sehr ehrlicher, fairer Sportsmann. Man kann nur den Hut vor ziehen, vor seinen Leistungen, vor seinen Erfolgen und vor seinem Charakter", sagte Adler-Goalie Dennis Endras, der als MVP, als bester Spieler der Finalserie, ausgezeichnet wurde. Jetzt geht es für Wolf in seine Heimat nach Füssen, er wird das Schuhgeschäft seines Vaters übernehmen, sich um die Familie kümmern, und endlich mehr seiner anderen großen Leidenschaft – dem Billard – frönen können. Ein Zurück aufs Eis wird es nicht geben. "Endgültig heißt bei mir endgültig", so Wolf, "jeder, der mich kennt, weiß, dass es so ist."

 

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