Meinung Verschämtes Ende

Soldaten am Ort eines Anschlags (Archivbild). Foto: dpa

Fatal ist, dass die wahre Gefahr vernachlässigt wurde. AZ-Redakteurin Anja Timmermann, über das Ende des Irak-Kriegs.

 

Achja, stimmt, der Irak. Mit welchem Getöse hatte dieser Krieg 2003 angefangen. Und dann gestern die fast verschämte Meldung: Die letzten US-Kampftruppen sind aus dem Irak abgezogen. Betont unauffällig, ein Korrespondent merkt an, die Soldaten seien nach dem Überschreiten der Grenze zu Kuwait froh gewesen, „ihre verschwitzten schusssicheren Westen endlich auszuziehen“. Na dann.

Barack Obama, der diesen ungeliebten Krieg geerbt und nun beendet hat, wollte alles vermeiden, was nach Siegesfeier aussieht. In den USA herrscht durchaus Nachdenklichkeit: War es das wert? „Um welchen Preis haben wir die Welt von einem einzelnen Bösewicht befreit?“, fragt Ex-General William Nash. Rund 100.000 Iraker und 4400 amerikanische Soldaten haben mit ihrem Leben gezahlt, der US-Steuerzahler mit gut einer Billion Dollar und die Großmacht USA mit einem beispiellosen Verlust an Ansehen, der für die ganze Welt gefährlich ist. Für den irakischen Bürger heißt es, dass er Saddams Schergen nicht mehr fürchten muss, dafür jetzt El-Kaida.

Das Fatalste ist aber, dass Afghanistan zu lange vernachlässigt worden ist – dort, wo tatsächliche Urheber des Terrors sitzen. George Bush hat sich lieber den Irak vorgenommen: mehr Öl, und sein Daddy hatte da noch ’ne Rechnung offen. Hätte man die Energie und das Geld in den Aufbau von Afghanistan investiert, wäre die Welt heute besser dran. Dass sie es nicht ist, verdanken wir George Bush.

 

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