Meinung Purer Protektionismus

Zwei Airbus-Tankflugzeuge Foto: ap

Die Entscheidungistärgerlich.Überraschendist sie nicht: Susanne Stephan, Wirtschaftsredakteurin der AZ, über den geplatzten EADS-Deal.

 

Ärgerlich, unfair, unklug. Über die Entscheidung desUS-Verteidigungsministeriums gegen den „Jahrhundertdeal“für EADS mögen Airbus-Manager undPolitiker zu Recht verärgert sein, allein: Ihre Empörungwird nichts helfen.

Der US-Hersteller Boeing,der bereits tausende Arbeitsplätze gestrichen hat,braucht dringend Geld, die US-Regierung kann sichangesichts Millionen von Arbeitslosen einen weiterenStellenabbau bei einem der prestigeträchtigstenArbeitgeber im Land einfach nicht leisten.

Deswegen konnte die rüde Vorgehensweise gegenAirbus, dessen Angebot für denBau von 179 Tankflugzeugenjetzt abgebürstet wurde, nichtwirklich überraschen.

HehreBekenntnisse zum freien Handelmögen in guten Zeiten fastjedem Politiker leicht über dieLippen gehen – wenn die Suppenküchenvoller Bedürftigersind und die Finanzmärkte immer noch Risikenbergen, wiegen in den Vereinigten Staaten patriotische– sprich: protektionistische – Erwägungenschwerer.

Immerhin bleibt eine Hoffnung für EADS: Was jetztnicht geklappt hat, kann in fünf, zehn oder zwanzigJahren klappen. Der Erneuerungsbedarf der US-Streitkräfteist groß; gut möglich, dass die Europäer dochnoch zum Zuge kommen. Allzu martialisch sollteneuropäische Regierungschefs jetzt deswegen nichtgegen Washington wettern.

Und es bleibt ein Trostfür Airbus: Der erzwungene Verzicht auf den Megadealermöglicht es dem Hersteller, sich auf seineaktuellen Probleme zu konzentrieren: Den MilitärtransporterA400M und den Riesenvogel A380.

 

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