Meinung Nicht zu kaufen

Deutsche Soldaten in Afghanistan Foto: AP

Drogengeldersind zuverlässigerals Almosenaus demWesten: Matthias Maus, AZ-Chefreporter, über das neueAfghanistan-Konzept

 

Bismarck sagte, dass niemals so viel gelogen wirdwie vor der Wahl, nach der Jagd und während desKrieges. Langsam bekennt sich die Bundesregierungdazu, dass Krieg herrscht in Afghanistan, undprompt wird der alte Otto bestätigt.

Natürlich ist es richtig, dass mehr auf Entwicklungshilfegesetzt werden muss am Hindukusch. Esmacht auch keinen Sinn, allein Kampftruppen in dieLebensgefahr zu schicken. Es hat ein Prozess desNachdenkens eingesetzt, und es gibt auch Ansätzefür eine Neuausrichtung. Dennoch ist das Konzeptmit Abzugsdatum und gekauftenTaliban wenig erfolgversprechendbis unrealistisch.

Wenn ein Abzugsdatum genanntwird, dann hat das nureine Chance, wenn es bis dahineine selbsttragende staatlicheStruktur gibt. Die gäbe denAfghanen vielleicht keine perfektewestliche Demokratie, aber immerhin einerechtliche Sicherheit. Die ist nicht in ein paar Jahrenzu haben. Und schon gar nicht, wenn man den Talibansagt, bis wann sie stillhalten müssen, um vonfremden Truppen ungestört wieder ans Mordhandwerkzu gehen.

Der Ansatz, man könne den Taliban die Fußsoldatenabwerben, ist blauäugig. Er funktioniert, solangeman die bettelarmen Männer zahlt. Wenn dem Westendas Geld und das Interesse ausgeht – also bald –dann wenden sie sich wieder an die mit dem Geld.Die Drogenfelder der Kriegsherren sind wirtschaftlichzuverlässiger als Almosen aus dem Westen.Auch das mussten viele Fremde lernen: Man kannAfghanen nicht kaufen. Man kann sie nur mieten.

 

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