Meinung Köhlers letzter Fehler

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MÜNCHEN - Es war eine Kritik, die man im Alltagsgeschäft aushält - Frank Müller, der AZ-Politikchef, über den Rücktritt des Bundespräsidenten

 

Wenn nächste Woche noch die Kanzlerin zurückträte, würde es allmählich auch keinen mehr wundern. Erst Koch, dann Köhler – hat ein Ausstiegsvirus die Berliner Republik erfasst? Beide lassen eine verblüffte Republik zurück, beide Rücktritte beenden je eine Politikerkarriere, ohne dass sie wirklich vollendet scheint.

Doch damit hat es sich auch mit den Parallelen. Koch und Köhler scheitern nämlich an höchst unterschiedlichen Konstellationen. Koch war der große Rivale der Kanzlerin, der einfach nicht zum Zuge kam. Er verzweifelte an seiner Union und zog die Konsequenz.

Was aber trieb letztlich Horst Köhler an zu seinem einzigartigen Schritt? Das bisschen Kritik an seinen Afghanistan-Äußerungen ist uns, bei allem Respekt, zu wenig für einen Rücktritt dieser Dimension. Gleichgültig, ob man den Protest der Opposition als guten Stil oder doch eher als gezielten Willen zum Missverständnis begriff: Es war eine Attacke, die man im Alltagsgeschäft aushalten können sollte, wenn man sich als politischer Präsident versteht.

So bleibt schon jetzt die Erinnerung an einen unglücklichen Bundespräsidenten. Selbst sein Paukenschlag-Rücktritt will ihm nicht gelingen – das passt ins Bild zumindest seiner zweiten Amtszeit. Inmitten größter Krisen fand Köhler die Themen und die Worte nicht. Wo Führung und Vorgabe gefragt waren, blieb Köhler still. Und nun beschädigt er das Amt auch noch in einem finalen Panikschritt. Doch all das passt ins aktuelle Bild der Berliner Republik: Ein Land blutet aus.

 

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