Meinung Eine Frage des Stils

Illustration Foto: Gregor Feindt

Lerchenbergpredigt dieMoral –und vergisstsie selbst: Katharina Rieger, Vize-Lokalchefin, über die Fastenpredigtauf dem Nockherberg

 

Wenn es ein Gesetz gibt zum Starkbieranstich auf dem Nockherberg, dann lautet es: Die Rede des Fastenpredigers Bruder Barnabas darf auf keinen Fall allen gefallen. Irgendeiner muss spätestens am nächsten Tag sehr beleidigt sein, weil er sich zu hart angefasst fühlt. Oder auch, weil er dem Prediger kein Wörtchen wert war. Versandet die Rede hingegen im Nichts, ist sie misslungen. Doch was sich Michael Lerchenberg heuer auf dem Nockherberg geleistet hat, bricht diese Gesetzmäßigkeit nicht nur. Lerchenberg hat Grenzen überschritten.

Ob man das Wort „Scheiße“ einbaut oder von „Nick-Negern“ spricht: Das ist eine Geschmacksfrage, das muss man nicht gut finden. Wenn Lerchenberg aber den Vergleich mit einem Konzentrationslager wählt, um die neoliberale Haltung von Außenminister Guido Westerwelle zu geißeln, hat er gedankenlos ein Tabu verletzt. Dass er auch einen Tag danach nicht verstehen kann, warum sich jemand dadurch gekränkt fühlt, macht die Sache auch nicht besser.

Lerchenberg will der scharfe Mahner sein, aber auch die Kritik an Innenminister Herrmann ist misslungen. Er feuert Salven auf einfache Polizeibeamte, indem er ihnen beim Tod von Dominik Brunner Langsamkeit vorwirft – das ist unfair und falsch, weil er mit Minutenzahlen hantiert, die nicht stimmen. Schier unerträglich wird es, wenn er einen erschossenen Studenten als „Geisteskranken“ bezeichnet. Harte Kritik – ja, gern. Doch die Kunst dabei ist, nicht brachial Tabus zu brechen und auf Schwache einzudreschen. Guter Stil sieht anders aus. (Bericht Seite 9)

 

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