Meinung Die Wurzel anpacken

Der Tatort in Milbertshofen Foto: Daniel von Loeper

Harte Strafenschaffendas Problemnicht ausder Welt: Katharina Rieger, Vize-Lokalchefin, über die Gewalttat von Milbertshofen

 

Warum erniedrigend und demütigen Kinder eine demente Frau? Warum prügeln sie auf ihr Opfer ein, das am Boden liegt? Die Tat markiert eine neue Dimension der Jugendgewalt: Die Täter sind

erst 13 Jahre alt, sie können strafrechtlich nicht belangt werden. Niemand kann nachvollziehen, warum sie die alte Frau offenbar stundenlang gequält haben. Und: Wie soll der Staat mit ihnen umgehen?

Statistiken zeigen: Die Jugendgewalt geht zurück, es gibt weniger Fälle. Doch bei den einzelnen Taten nimmt die Brutalität zu; der Fall von Milbertshofen zeigt, dass die Grenze noch nicht erreicht ist. Heute schlagen 13-Jährige zu, wann morden sie? Eine durchaus reale Vorstellung.

Die Wurzeln für die immer grenzenlosere Brutalität liegen im steigenden Alkoholkonsum von Jugendlichen und Kindern, der Ghettoisierung in Hauptschulen und nicht zuletzt in der Abstumpfung durch Computerspiele. Kinder aus allen Schichten sind emotional verwahrlost, weil Erwachsene zu wenig Zeit für sie haben. Normal ist, dass Kids Porno- und Gewaltfotos austauschen.

Es ist der falsche Weg, wenn der Staat auf steigende Gewalt mit härteren Strafen reagiert. Er muss die Wurzel anpacken. Verhindern, dass Kinder das Gespür für Grenzen verlieren. Dass sie abgleiten in den Suff und sich keiner um sie kümmert. Kinder brauchen Liebe – und Grenzen. Eltern und besonders Alleinerziehende brauchen Hilfe bei der Erziehung. Wenn nötig, müssen auffällige Kinder rund um die Uhr betreut werden. Eine gerechte Gesellschaft muss sich das leisten wollen.

 

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