Meinung Der PR-Bumerang

Ministerin Aygül Özkan Foto: dpa

AZ-Redakteurin Anja Timmermann über die Debatte um Ministerin Aygül Özkan

 

Oh mei. Da beruft ausgerechnet die Christlich Demokratische Union die erste türkischstämmige und muslimische Ministerin Deutschlands – und ziemlich postwendend offenbart sich, dass jenseits des PR-Coups der niedersächsischen Führung ganz große Teile der schwarzen Basis noch bei weitem nicht soweit sind. Jedenfalls viel weniger als der Rest der Bevölkerung. Formell entzündet sich die Kritik an ihren Äußerungen zum Kruzifix, tatsächlich werden aber auch tiefste grundsätzliche Vorbehalte deutlich, wie man überhaupt „eine Muslimin in die erste Reihe stellen“ könne. Da wiederum schaudert es den etwas aufgeklärteren Zeitgenossen.

Natürlich kann man! Sie ist unter anderem zuständig für Integration – warum nicht mal ein Minister, der was vom Fach versteht? Und warum nicht mal eine junge Frau, die kurz genug im Geschäft ist, um direkt ihre Meinung zu sagen? Mit ihrer Haltung zum Kruzifix liegt sie vom geltenden Recht etwa so weit weg wie die CSU – nur in der anderen Richtung: Karlsruhe sagt, es darf nicht angeordnet werden. Die CSU sagt, es muss angeordnet werden. Frau Özkan sagt, es soll abgehängt werden.

Die Meinung, dass religiöse Symbole in einer Schule nichts zu suchen haben, kann man haben – ohne dass gleich das Abendland untergeht, wie die bisweilen heuchlerische bis hysterische Debatte nahelegt. Man kann Kindern sehr gut Werte wie Anstand und Toleranz beibringen, ohne dass sie unter dem Kreuz sitzen. Nebenbei: Manchen Kindern sind unter dem Kreuz ganz andere Dinge angetan worden, wie gerade bekannt wird.

 

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