Meinung AZ-Meinung: Überall Dschungel

Die Hölle des Dschungels - das sind nicht mehr Kakerlaken, Kotzessen und Kotzbäder. Foto: RTL / Stefan Gregorowius

Die AZ-Landtagskorrespondentin Angela Böhm über das Gesetz des Dschungels.

 

Die Hölle des Dschungels - das sind nicht mehr Kakerlaken,Kotzessen und Kotzbäder, die zehn MillionenDeutsche vors TV locken: Das ist ja nichts Ungewöhnliches,wie wir inzwischen lernen mussten. Beider Bundeswehr gibt’s da eine lange Tradition. DerEkel hat seine Faszination verloren. Was in den Banndes Dschungelcamps zieht, ist ein viel faszinierenderesPhänomen: die Gruppendynamik .

Natürlich schaut man so was nicht an! Es gehört ja zum guten Ton, über Trash zu schimpfen. Voyeurismus,Sensationsgier, Fremdschämen, Unterschichtenfernsehen– igittigitt! WennSarah, Jay, Indi, Peer & Co. streiten,lieben, heulen, mobben,intrigieren, sich verbünden,Abmachungen austuscheln,nach Anerkennung gieren, Sympathiengewinnen, ganz schnellwieder verlieren und sich fastprügeln. Wenn alles eskaliertund aus dem Ruder zu laufen droht. Aber ich gestehe:Das hat auch mich gefesselt. Ich schwör’s! Dasist die Wahrheit!

Schon Jean-Paul Sartre hat das fasziniert. In seinemexistenzialistischen Drama „Geschlossene Gesellschaft“hat er fremde Menschen miteinandereingesperrt und gezeigt, wie sie sich in einer solchenExtremsituation den Spiegel vorhalten. Seine Botschaft:„Die Hölle, das sind die anderen“. Und malehrlich: Ein bisserl Dschungelcamp gibt’s überall.

 

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